Devisen
Der wundersame Höhenflug des Euros

Offene Geldschleusen in Europa, steigende Zinsen in den USA, dazu ein neuer Präsident, der alles daran setzt, Amerikas Wirtschaft wieder groß zu machen: Und dennoch steigt der Euro auf ein Zwei-Jahres-Hoch. Warum?
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Frankfurt/MainWer hätte mit einer solchen Erstarkung des Euros gerechnet? Vor einigen Monaten noch hatte der neue US-Präsident Trump von einem „viel zu starken Dollar“ geredet. Die Fed war dabei, ihre Zinswende in Fahrt zu bringen, die ersten Leitzinserhöhungen sollten folgen. Und in Europa hatte Mario Draghis EZB-Rat gerade erst das Anleihekaufprogramm verlängert und die Geldschleusen damit weiter geöffnet. Der Euro-Dollar-Wechselkurs tendierte für so manchen gar in Richtung Parität. Doch es sollte anders kommen.

Der Euro stieg und stieg. Seit Jahresbeginn hat die Gemeinschaftswährung mehr als elf Prozent zugelegt. In der Nacht auf Montag ist der Euro weiter geklettert – bis auf 1,1684 Dollar, den höchsten Stand seit August 2015. Den Aktienkursen in Frankfurt, aber auch anderswo in Europa, macht das zu schaffen, verteuern sich doch dadurch die Exporte ins Ausland.

Heute ging es für die Währung zumindest leicht nach unten, der Euro verlor am Nachmittag 0,2 Prozent auf 1,1642 Dollar. Der Grund: schwächere Konjunkturdaten. Sowohl der Einkaufsmanager für Deutschland als auch der für die gesamte Euro-Zone gaben etwas stärker nach als erwartet. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1648 US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8585 Euro. Der Aufwertungsdruck bleibt bestehen. Allein seit der EZB-Ratssitzung am Donnerstag hat der Euro beinahe zwei ganze Cent zugelegt.

Die Konjunktur im Euro-Raum läuft gut an – und mit ihr mehren sich die Stimmen, die eine Normalisierung der Geldpolitik fordern. Die Zentralbanker aber änderten trotz aller Diskussionen nichts an ihrem Maßnahmenkatalog. Die Zügel bleiben locker. Das war zwar vom Großteil der Börsianer erwartet worden. Doch selbst auf der anschließenden Pressekonferenz am Donnerstag gab Mario Draghi wenig Signale in Richtung Normalisierung der ultralockeren Geldpolitik. Eher wirkten die Aussagen des EZB-Präsidenten wie ein Plädoyer für ein „Weiter so“. Auf dem Parkett hatte man mit deutlicheren Hinweisen gerechnet, wie ein Ausstieg aus der aktuellen Politik gestaltet werden könnte.

Der Euro schoss anschließend dennoch in die Höhe – was erstaunlich ist. Scheinbar rechnen nicht wenige Marktakteure damit, dass der Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik nicht vertagt, sondern bloß auf die nächste Notenbanksitzung im September verschoben ist. Mario Draghi gab an, dass der Rat „ im Herbst“ über die Zukunft des Anleihekaufprogramms diskutieren werde. Erste Anzeichen einer Straffung jedenfalls nahmen Investoren über den Wechselkurs vorweg.

Heimische Konjunktur und Geldpolitik sind aber nur zwei Faktoren, die den Höhenflug des Euros erklären. Der dritte ist die Schwäche des US-Dollars. Der Greenback gerät gleich von zwei Seiten unter Druck. Zum einen ist da Janet Yellen. Die Chefin der US-Notenbank Federal Reserve nahm bei den Zinserhöhungen zuletzt den Fuß vom Gaspedal. Auch die jüngsten Aussagen einzelner Fed-Gouverneure deuten daraufhin, dass der zuständige Offenmarktausschuss der Notenbank die Zinsen am Mittwoch nicht weiter anheben wird. Stattdessen geht es um die Diskussion, wann die Fed anfangen wird, ihre durch das Anleihekaufprogramm aufgebähte Bilanz zu verkleinern. Im Gegensatz zu den Leitzinsen ist das eine Detailfrage, aber es wäre der nächste Schritt hin zu einer strafferen Geldpolitik.

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Euro-Stärke oder Dollar-Schwäche?

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  • Sehr geehrter Herr Stampoulis,

    Sie kennen sicher die Geschichte mit dem Glas Wasser: Der eine betrachtet es als halb leer, der andere als halb voll.

    Beginnen wir mit der Geldpolitik: Dass die Zinsen in den USA höher als in Euroland sind, weiß jeder. Unstrittig sollte auch sein, dass sich der Zinsvorsprung der USA noch weiter vergrößern wird. Beides sind Argumente für eine Dollar-Stärke.

    Zur Konjunktur: Euroland hat unstreitig einen Aufschwung. Aber wenn Draghi seinen Fuß vom Gaspedal nimmt, kommt er zum Stillstand. Reformen oder Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit haben die europäischen Länder in den letzten 10 Jahren nicht ergriffen.

    Zu den USA: Sie kommen trotz restriverer Geldpolitik auf ähnlich hohe Wachstumsraten wie Euroland. Mag sein, dass viele enttäuscht sind, weil Trump seine wirtschaftspolitische Agenda nicht umsetzen kann. Aber auf den Feldern Energiepolitik und Deregulierung der Banken hat er seinem Land einen großen Wettbewerbsvorsprung verschafft. Alles in allem gesehen sprechen die Argumente für eine Stärke des Dollars.

    Zu einem anderen Ergebnis kommt man nur, wenn man an vielen Stellen "enttäuschte Erwartungen" ins Feld führt. Aber mal so eine Frage: Woher kennen Sie die Erwartungen der Anleger? Woher wissen Sie, warum manche Herrschaften enttäuscht sind?

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