Devisen
Merkels Zaghaftigkeit dämpft den Euro-Kurs

Wegen leichten Kursgewinnen am Vormittag, kann der Euro über die Marke von 1,41 US-Dollar klettern. Die Aussagen von Bundeskanzlerin Merkel zur griechischen Schuldenkrise ließen den Kurs zuletzt sinken.
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Die leichte Entspannung am Rentenmarkt hat am Dienstag auch dem Euro gut getan. Ernüchternde Aussagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Bedeutung des Euro-Gipfels am Donnerstag machten allerdings die Kursgewinne am frühen Nachmittag zeitweise wieder zunichte. Mit 1,4170 Dollar lag die Gemeinschaftswährung zwar immer noch fast einen US-Cent höher als am Vorabend. Doch hatte sie kurz vor den Aussagen Merkels bei 1,42 Dollar notiert. 

Die Kanzlerin hatte erklärt, es könne nicht einen einzigen spektakulären Schritt zur Lösung der Eurokrise geben. Damit hatte Merkel die Hoffnungen einiger Anleger enttäuscht, dass Europas politische Führung in der Schuldenkrise doch noch zum großen Wurf ansetzen würde. Vielmehr bestätigte die Kanzlerin die Skepsis vieler Analysten: „Viele Anleger haben den Glauben in die Politik verloren und rechnen nicht mit einer überzeugenden Lösung für die Schuldenkrise in Griechenland und anderen hoch verschuldeten Randländern“, hatten die Analysten der Metzler Bank schon in ihrem Morgenkommentar gewarnt. Sollte der Gipfel keine adäquate Lösung präsentiert werden, drohten neue Turbulenzen mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen, fügten sie hinzu. 

„Wenn bei dem Gipfel nichts Substanzielles herauskommt, werden die Anleihen Italiens und Spanien unter neuem Druck kommen und es wird eine neue Flucht in Bundesanleihen geben“, warnte Rentenstratege Nick Stamenkovic von RIA Capital Markets. 

Die am Vortag auf über sechs Prozent gestiegenen Renditen der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen gaben wieder auf unter sechs Prozent nach. Entsprechend verkauften viele Anleger auch wieder ihre Bundesanleihen, die als sicherer Hafen am Vortag besonders gesucht gewesen waren. So fiel der Bund-Future um bis zu 82 Ticks auf 128,62 Punkte. Die Rendite der zehnjährige Bundesanleihe kletterte bis auf 2,72 von 2,65 Prozent am Vortag. Händler sprachen von einer technischen Gegenreaktion auf die Vortagesverluste. Nachhaltig sei das nicht. 

Auch die Renditen von Spaniens zehnjährigen Anleihen gaben auf 6,14 Prozent von 6,35 Prozent am Vortag nach. Das Land nahm am Kapitalmarkt rund 3,8 Milliarden Euro für ein Jahr auf. Dafür muss die Regierung in Madrid den Anlegern allerdings deutlich höhere Zinsen als zuletzt zahlen. Auch die Renditen der zweijährigen griechischen Anleihen gaben wieder leicht nach - sie rutschten unter 40 Prozent ab. 

Händler vermuten, dass derzeit der Euro-Kurs vor allem von der US-Schuldenproblematik unterstützt wird. Demokraten und Republikaner haben sich bislang nicht auf die Anhebung der Schuldenobergrenze einigen können. Sollten sie dies auch nicht bis zum 2. August zustandebringen, droht der weltgrößten Volkswirtschaft die Zahlungsunfähigkeit. Die etwas besser als erwartet ausgefallenen US-Immobiliendaten stützten den Dollar am Nachmittag kaum. Dabei waren die Hausbaubeginne im Juni überraschend auf ein Sechs-Monats-Hoch gestiegen. Doch wurde die Mai Statistik nach unten revidiert.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • ps: das fx-paar eur/usd macht ca. 75% (> 3,0 bill., europäische billionen mit 12 nullen!!! daily-turnover rund um den globus) des marktes aus.
    hinzu kommen die volkswirtschaftlich für deutschland positiven korrelation mit vielen anderen wichtigen ländern/handelspartnern in asien und südamerika die an den usd fest gebunden sind (> 90%).
    der rest ist pillepalle, da ökonomisch völlig irrelevant.

  • gääähhhn^^ eur/usd ist die benchmark, und volkswirtschaftlich einzig relevante vergleich.
    der euro ist bärenstark.

  • Aha, und wie verhält sich der Euro gegenüber dem schweizer Franken, der norwegischen Krone und der Universalwährung Gold?
    Zwei sterbende Währungen miteinander zu vergleichen gaukelt den Bürgern Stabilität vor!

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