Devisen
Pfund setzt Talfahrt nach Wahlergebnis fort

Der Verlust der absoluten Mehrheit der britischen Premierministerin May hat das Pfund weiter auf Talfahrt geschickt: Der Kurs der Währung fiel gegenüber dem Euro am Freitagmorgen auf ein Sieben-Monats-Tief.
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FrankfurtEigentlich hätte die britische Parlamentswahl erst im Jahr 2020 stattfinden sollen. Doch die Premierministerin Theresa May hatte sie vorgezogen. Damit wollte sie ihre Parlamentsmehrheit und so ihre Verhandlungsposition beim Brexit stärken. Es kam anders als gedacht. Jeremy Corbyns Labour-Partei heimste mehr stimmen ein, als den Tories lieb sein kann. Denn sie verlieren die Mehrheit. „Der harte Brexit wurde gestern abgewählt“, konstatiert Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Chef-Wirtschaftsberater der Allianz, Mohamed El-Erian, kommentiert: „Die Märkte stellen sich nun darauf ein, dass die Verhandlungen für den Brexit erschwert werden.“ Debattiert wird auch darüber, ob und wie lange sich Theresa May nach diesem Ergebnis als Premierministerin halten kann.

An den Märkten bekommt das die britische Währung Pfund am stärksten zu spüren. Gegenüber allen G10-Währungen, also jenen der Industrienationen, verliert es an Wert. Sowohl gegenüber dem Euro als auch gegenüber dem Dollar ist es seit den ersten Hochrechnungen gestern Abend um mehr als zwei Prozent gefallen. Zum Euro fiel es gar auf ein Sieben-Monats-Tief von 1,1312 Euro je Pfund. Bei der US-Währung erhalten Briten derzeit 1,27 Dollar für ein Pfund. Die mit dem Wahlergebnis verbundenen Unsicherheiten verheißen nichts Gutes für den weiteren Verlauf. „Wir erwarten, dass das Pfund weiter fällt“, urteilt David Zahn, Portfoliomanager beim Fondshaus Franklin Templeton.

Seit dem Brexit-Votum der Briten im vergangenen Jahr wird die britische Währung heftig von erst Spekulationen über den Austritt, dann der Gewissheit und nun abermals von Spekulationen darüber, wie der Austritt erfolgt bestimmt. May hat sich für einen harten Brexit stark gemacht. Der wird unwahrscheinlicher. Unklar ist indes, welchen Kurs die Briten nun konkret verfolgen werden. „Die Marktsorgen werden sich vor allem bei den Währungen niederschlagen und zu noch mehr Schwankungen führen“, erklärt James Butterfill, Leiter der Investmentstrategie beim Fondshaus ETF Securities. Gegenüber der US-Währung könnte es gen 1,24 Dollar je Pfund gehen, schätzt er.

Die britische Wirtschaft kommt unter dem Strich auf ein Leistungsbilanzdefizit. Es werden mehr Güter in das Land ein- als ausgeführt. Je schwächer das Pfund, desto teurer wird es für die Briten. Dass der Kurs von seinem Allzeittief von 1,15 Dollar je Pfund damit noch weit entfernt ist, dürfte allenfalls ein schwacher Trost sein.

Immerhin: Im Vergleich zum Brexit-Votum im vergangen Jahr halten sich die Verluste in Grenzen. Damals brach der Währungskurs binnen eines Tages gegenüber dem Euro um knapp sechs Prozent ein. Die Verluste summierten sich innerhalb einer Woche auf rund elf Prozent.

Während das Gros der Analysten jetzt noch auf die Risiken für die Währung schaut, wagt die Commerzbank bereits einen leicht optimistischen Blick in die Zukunft. Denn auch wenn die Verhandlungen mit Brüssel nicht einfacher werden: Der harte Brexit sei zumindest abgewählt. „Trotz aller Unsicherheit herrscht zumindest Zuversicht, dass der Kollisionskurs von Theresa May gestoppt werden kann – und zwar selbst für den Fall, dass es May gelingt, eine Regierung unter konservativer Führung zu bilden“, meint Chefvolkswirt Krämer.

Eine Garantie ist das freilich nicht. Das Risiko, dass die Briten am Ende der im Frühjahr 2019 auslaufenden Austrittsverhandlungen ohne Deal dastehen, ist keineswegs gebannt. Dem Pfund steht ein Auf-und-Ab-Kurs bevor.

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