Devisenhandel
Dem Euro droht eine längere Durststrecke

Die Europäische Zentralbank hat sich dem Druck der Märkte gebeugt und ihren Leitzins um 75 Basispunkte zurückgenommen. Damit verringert sich der Zinsvorteil des Euros gegenüber anderen Währungen. Aber damit nicht genug: Eine Reihe weiterer Faktoren sprechen zurzeit gegen die europäische Einheitswährung.

DÜSSELDORF. Mit ihrer überraschenden Zinssenkung um 75 Basispunkte auf 2,5 Prozent hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Druck auf den Euro weiter verstärkt. Zwar hielt sich der Kurs der europäischen Einheitswährung nach dem Zinsentscheid stabil und konnte im Verlauf sogar wieder über 1,27 Dollar steigen. Experten sehen den Euro in den kommenden Monaten im Vergleich zur US-Währung aber klar im Hintertreffen.

Am Devisenmarkt gibt es seit Monaten zwei klare Lager: Auf der einen Seite stehen der US-Dollar und der japanische Yen, die in der Finanzkrise stark zugelegt haben. Auf der anderen Seite gibt es die Verliererwährungen, zu denen an vorderster Stell das britische Pfund aber auch der Euro zählen. Seit seinem Hoch bei 1,60 Dollar im Frühjahr hat der Euro im Vergleich zur US-Währung rund 20 Prozent eingebüßt. Gegenüber dem japanischen Yen hat er sich sogar von 170 auf knapp 120 Yen je Euro verbilligt. Lediglich zum Pfund erreichte der Euro gestern ein neues Rekordhoch von knapp 0,87 Pfund je Euro.

Viel Beachtung finden die Bewegungen am Devisenmarkt angesichts der Turbulenzen an anderen Märkten, allen voran den Aktienbörsen, zurzeit jedoch nicht. Auch viele Investoren haben sich Experten zufolge aus dem Währungsgeschäft zurückgezogen. Das liegt zum einen daran, dass sie die Liquidität benötigen, um im Zuge der Finanzkrise aufgelaufene Verluste auszugleichen.

Hinzu kommt, dass sich die Leitzinsen weltweit sukzessive annähern. "Es gibt die ganz klare Marktmeinung, dass die Zinsen aller wichtigen Währungsräume in den nächsten vier bis fünf Monaten auf sehr niedrigem Niveau konvergieren werden und Zinsdifferenzen entfallen", sagt Michael Klawitter, Devisenanalyst bei Dresdner Kleinwort.

Währungsspekulationen entzieht das die Grundlage. Nach Meinung von Klawitter wird der so genannte Carry Trade, bei dem sich Investoren in einer Währung mit niedrigem Zins verschulden, um das Geld in Anlagen aus Hochzinswährungen zu stecken, innerhalb der G10-Staaten zum Erliegen kommen. Der Trend war bereits in den vergangenen Monaten zu beobachten. Davon profitierte vor allem der japanische Yen. Aber auch der Dollar, der aufgrund der radikalen Zinssenkungspolitik der US-Notenbank zunehmend als Basiswährung für Carry Trades genutzt wurde, ist im Zuge der rückläufigen Zinsdifferenzen (Spreads) zu anderen Währungen gestiegen.

Hinter der jüngsten Dollar-Stärke stehen aber noch eine Reihe weiterer Faktoren: "Die Risikoaversion treibt ausländische Investoren in den Dollar. Sie parken ihr Geld in kurz laufenden US-Staatsanleihen, weil der Markt für diese sehr liquide ist", erklärt DZ-Analyst Müller. Hinzu kämen die Kapitalflüsse von US-Amerikanern, die ihr Geld zurück in die Heimat holten.

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