Devisenmarkt
Dollarschwäche könnte Aktien belasten

Mit einem deutlichen Kurssprung hat sich der Euro aus seiner monatelangen stabilen Spanne zum Dollar gelöst. Die europäische Währung überwand zum ersten Mal seit April 2005 die Marke von 1,30 Dollar und kletterte am Wochenende in der Spitze bis auf 1,3117 Dollar. Am Devisenmarkt wurde die Entwicklung mit guten Ifo-Daten zur deutschen Wirtschaft und zum französischen Verbrauchervertrauen begründet.

FRANKFURT. Unter technisch orientierten Analysten gilt die jüngste Entwicklung als Musterbeispiel. Unter hohen Umsätzen nahm der Euro am Freitag Fahrt auf, nachdem die Währung die obere Begrenzung ihres engen Seitwärtstrends überwunden hatte. „Automatisch gesteuerte Käufe vieler Händler, die auf das Chartbild schauen, lösten den Sprung aus“, sagte ein Frankfurter Händler.

Entscheidend war dabei der Sprung über das Jahreshoch von 1,2949 Dollar. „Damit hat der Euro eine ganz entscheidende Hürde genommen“, meinte Manfred Hübner, technischer Analyst der Dekabank. Auf dem Handelsblatt-Branchentreffen „Frankfurter Gespräch“ war sich Hübner mit seinen technisch orientierten Kollegen einig, dass die Gemeinschaftswährung jetzt Potenzial bis in den Bereich des Allzeithochs hat. Am 28. Dezember 2004 war der Euro auf 1,3633 Dollar gestiegen. Damals sprachen viele Experten von Zufallsbewegungen, weil die Umsätze zwischen den Feiertagen sehr dünn waren.

Aus dem Blickwinkel der Charttechniker kommt der jüngste Sprung aber mit Ansage. „Am vergangenen Mittwoch gab es an den Devisenmärkten ganz wichtige Entscheidungen. Jetzt erleben wir die Auswirkungen“, sagte Hübner. Der Dollar hatte zum Schweizer Franken und gegenüber dem japanischen Yen entscheidende Marken nach unten durchbrochen – zwei Tage später nun auch zum Euro.

„Durch das Hoch schließen wir die lange Konsolidierung des Euros zum Dollar ab. Damit ist der Weg zu historischen Hochs frei“, rechnete Wieland Staud von Staud-Research sogar mit noch höheren Kursen als 1,36 Euro. Bedingung sei allerdings, dass die Gemeinschaftswährung kurzfristig nicht wieder unter 1,30 Dollar zurückfalle.

Wirtschaftlich sprechen zurzeit vor allem die unterschiedlichen Zinserwartungen in den USA und der Euro-Zone für den Euro. Eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank von 3,25 auf 3,5 Prozent im Dezember gilt als ausgemacht. Nicht wenige Marktteilnehmer rechnen mit einer weiteren Anhebung im Frühjahr 2007. Damit verringert sich der Zinsabstand zu den USA, wo die Notenbank Fed die Leitzinsen seit Juni konstant bei 5,25 Prozent hält. Anlagen in der Euro-Zone gewinnen damit also an Attraktivität.

Einige Bankexperten zweifeln dieses dominierende Marktszenario allerdings an. So erwartet Gerhard Grebe, Chefanlagestratege bei Julius Bär, dass der Zinstrend im kommenden Jahr wieder drehen wird. Da die Inflationsrisiken in den USA nach wie vor nicht gebannt seien, rechnet er schon für das Frühjahr 2007 mit einer Zinserhöhung der Fed auf 5,5 Prozent. In der Euro-Zone hingegen werde sich die Konjunktur im ersten Halbjahr eintrüben, was im weiteren Jahresverlauf zu sinkenden Zinsen führe. „Wir erwarten daher ein Ende der Dollar-Schwäche“, sagt Grebe. Seiner Prognose nach wird der Euro im ersten Quartal 2007 bis auf 1,22 Dollar fallen und Ende des Jahres noch bei 1,18 Dollar liegen.

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