Devisenmarkt
Euro mit spektakulärer Kursrally

Spekulationen über weitere Zinserhöhungen im Euro-Raum und die erwartete Konjunkturschwäche in den USA haben die europäische Gemeinschaftswährung zwischenzeitlich über die Marke von 1,31 Dollar getrieben. Nun stehen die Chancen gut, dass der Euro ein neues Allzeithoch markiert. Allerdings gibt es, wichtige charttechnische Hürden zu überwinden.

HB FRANKFURT. Mit Kursen von mehr als 1,31 Dollar in der Spitze wertet der Euro zum Dollar am Freitag spektakulär auf. In den frühen Handelsstunden am heutigen Freitag notierte der Euro noch bei 129,50 Dollar. „Das Devisenpaar Euro/Dollar wurde seit mehr als sechs Monaten in einer relativ engen Range gehandelt - da war ein Ausbruch schon länger überfällig“, sagt ein Devisenanalyst. Die Marke von 1,30 Dollar bezeichnet er als ein „prominentes Level für Optionsbarrieren“, nach deren Überschreiten der Markt geradezu explodiert sei. In der Spitze hatte der Euro 1,3111 Dollar erreicht.

„Die Chancen sind gut, dass wir auf dem Weg an das Allzeithoch sind“, sagt Devisenanalystin Sandra Striffler von der DZ Bank voraus. Ende 2004 hatte der Euro mit Kursen von 1,3670 Dollar den höchsten Stand seiner Geschichte erreicht. “Alle wollten die 1,30 sehen. Mir ging die Bewegung aber etwas zu schnell“, urteilt Striffler.

Vor einem weiteren Euro-Anstieg stehen der Analystin zufolge aber gewichtige charttechnische Hürden. So sei der Euro am Vormittag genau an der oberen Linie des Aufwärtstrendkanals bei 1,3113 Dollar abgeprallt. Weitere Widerstände fänden sich nun bei 1,3125 USD und 1,3480 Dollar. „Daran wird der Euro noch zu knabbern haben“, sagt Striffler. Andererseits sei kaum damit zu rechnen, dass der Euro die 1,30 Dollar noch nachhaltig nach unten durchbrechen wird. Sie kündigte an, ihre Prognose für Euro/Dollar im Zuge dieser Entwicklung anzuheben.

Als fundamentale Gründe für die Euro-Aufwertung nennt Striffler die unerwartet positiven Konjunkturaussichten in Deutschland, wie sie etwa der jüngste ifo-Index zeichnete. „Endlich haben sich positive Daten in der Stimmung am Devisenmarkt auch ausgewirkt“, sagt Striffler.

Die erwartete Konjunkturschwäche in den USA könnte im kommenden Jahr am Devisenmarkt auch weiter tiefe Spuren hinterlassen. Denn die US-Notenbank (Fed) wird nach Einschätzung der meisten Analysten versuchen, mit niedrigeren Zinsen die Konjunkturlokomotive zumindest einigermaßen unter Dampf zu halten. Der Dollar dürfte dadurch weiter an Attraktivität verlieren, ein Anstieg des Euro auf sein Rekordhoch von 1,3667 Dollar, das er Ende 2004 aufgestellt hatte, scheint damit nicht mehr fern.

„Die US-Konjunktur wird sich eintrüben, daher erwarten wir, dass die Fed 2007 kräftig an der Zinsschraube drehen wird“, sagt NordLB-Analyst Tobias Basse, der 2007 mit einem Rückgang der US-Zinsen auf 4,25 Prozent von derzeit 5,25 Prozent rechnet. Das US-Investmenthaus Goldman Sachs erwartet bis Ende 2007 gar einen Rückgang der US-Zinsen auf 4,00 Prozent. Damit würden die Notenbanker einen Teil der Zinserhöhungen der letzten zwei Jahre wieder rückgängig machen.

Der Dollar hatte vor allem 2005 von dem wachsenden Zinsvorteil zum Euro profitiert. Dabei kaschierte der relativ hohe US-Zins das klaffende Leistungsbilanzdefizit der USA. Denn solange die Anlage in US-Dollar attraktiv bleibt, fließt Geld in die weltgrößte Volkswirtschaft und finanziert so den Fehlbetrag. „Wenn sich die US-Konjunktur aber abschwächt und die Zinsen sinken, wird die Frage der Finanzierbarkeit des hohen Leistungsbilanzdefizits wieder hochkochen“, sagt Stefan Bielmeier, Volkswirt bei der Deutschen Bank, der den Dollar Mitte 2007 bei 1,34 Dollar erwartet.

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