Die Blicke bleiben auf die Förderquoten gerichtet
Öl gibt es nicht mehr zum Billigtarif

Die Entwicklung an den internationalen Energiemärkten bleibt im neuen Jahr spannend. Zwar erwartet kein Experte eine ähnliche Rekordjagd der Rohölpreise wie im zu Ende gehenden Jahr 2004. Eine Rückkehr zu den Zeiten „billigen Öls“ wird es aber ebenfalls nicht geben.

HB DÜSSELDORF. Gleich zu Jahresbeginn will die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ihre Förderung um eine Million Barrel drosseln. Ein Barrel entspricht 159 Liter. Damit kehrt das Ölkartell aber lediglich zu seiner offiziell angestrebten Ölförderquote zurück. Bedeutender wird daher die Sondersitzung sein, zu der die Ölminister Ende Januar geladen haben. Aus Sorge über ein zu hohes Ölangebot am Weltmarkt soll in Wien dann über weitere Produktionskürzungen beraten werden.

Auch das Opec-Preisband von 22 bis 28 Dollar könnte dann auf dem Prüfstand stehen. Bereits mehrfach wurde an den Märkten über eine Anhebung der von der Organisation als „fair“ betrachteten Preisspanne auf Werte um 30 Dollar spekuliert. Durch den Fall des US-Dollars haben die Erzeugerländer deutlich niedrigere Einnahmen. Mitglieder des Ölkartells haben sich denn auch schon besorgt über die Dollar- Schwäche geäußert.

Angesichts aktueller Rohölpreise knapp unter 40 Dollar würde eine Anhebung der Preisspanne an den Märkten aber wohl vor allem als Signal gewertet werden, dass die Opec langfristig höhere Ölpreise wünscht. Vor kurzem hat dies der bisherige Opec-Präsident Purnomo Yusgiantoro schon deutlich gesagt: „Wünschenswert ist ein durchschnittlicher Opec-Preis von 30 Dollar je Barrel“. Yusgiantoro wird am 1. Januar von Kuwaits Ölminister Sheikh Ahmad Fahad Al-Ahmad Al- Sabah an der Opec-Spitze abgelöst.

Schwierige Rolle der Opec

In Frage gestellt wurde in der jüngeren Vergangenheit mehrfach auch die Macht der Opec und ihre Ausgleichsfunktion am Markt. Klaus Martini, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank, sieht hierfür keinen Anlass: „Die Opec hat nach wie vor wichtigen Einfluss“, sagt er. Deren Mitgliedstaaten, besonders Saudi-Arabien, könnten noch am ehesten ihre Produktion ausweiten oder einschränken und somit flexibel auf Nachfrageänderungen reagieren. Allerdings sei das Ölkartell vom Problem der Unterinvestition betroffen. Die freien Kapazitäten hätten in den letzten Jahren abgenommen. „Es ist daher auch für die Opec schwieriger geworden, auf Nachfragespitzen zu reagieren“, sagt Martini.

Stefan Schilbe, Chefvolkswirt der Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt, unterstreicht die schwierige Rolle der Opec. Die Organisation müsse bei ihrer Preispolitik versuchen, „Grenzanbieter aus dem Markt herauszuhalten“. Bereits in den zurückliegenden Jahren sei der Opec- Anteil an der Weltölproduktion geschrumpft. Schilbe erwartet aber für 2005, dass sich das Wachstum der Ölnachfrage konjunkturell bedingt verlangsamt. „Das gibt der Opec mehr Spielraum.“

„Allerdings sollte die Opec nicht den Fehler machen, ein übertrieben hohes Preisniveau anzustreben“, mahnte kürzlich Frédéric Lasserre, Rohstoffexperte der Société Générale. Das europäische Brentöl habe über 20 Jahre lang bei einem Durchschnittspreis von 18 Dollar je Barrel notiert. Es sei kaum sinnvoll, für ein Halten der 40-Dollar-Marke zu kämpfen. „Das würde nur zu einem Verlust von Marktanteilen führen“, sagt Lasserre.

Rückgang auf 39 bis 44 Dollar erwartet

Über die weitere Preisentwicklung sind sich die Experten nahezu einig. „Wir erwarten zwar einen Rückgang des Ölpreises, das Niveau wird aber deutlich höher liegen als noch Anfang 2004“, sagt Martini. Auf Sicht von zwölf Monaten sieht er die US-Richtmarke WTI (West Texas Intermediate) bei 37 Dollar. Im Jahr 2004 sei der Preis neben den strukturellen Faktoren – etwa der steigenden Ölnachfrage aus Asien und jahrelanger Unterinvestition in Förderkapazitäten – durch einige Sonderfaktoren wie die Situation im Irak, Unruhen in Nigeria und Terroranschläge getrieben worden. Diese Faktoren verlören an Gewicht. Die Deutsche Bank erwartet einen Abbau der dadurch aufgebauten Risikoprämie im Ölpreis.

Schilbe erwartet bis Mitte 2005 bei WTI einen Rückgang auf 39 Dollar, zum Jahresende aber wieder höhere Kurse um 44 Dollar. Für Brentöl prognostiziert er entsprechend einen Preis von 35 Dollar zur Jahresmitte bzw. 40 Dollar Ende 2005. Die Société Générale schließt nicht aus, dass Brentöl vorübergehend erneut auf 50 Dollar steigt. Das fundamentale Gleichgewichtsniveau liege aber eher bei 30 als bei 40 Dollar.

Melanie Fischinger von der Commerzbank sieht Brentöl im Jahr 2005 bei durchschnittlich 40 Dollar je Barrel. Sie erwartet, dass die Nachfrage auf hohem Niveau bleibt und sich das Auffüllen der geringen Lagerbestände als schwierig gestalten könnte. „Der Rohölpreis wird voraussichtlich länger auf hohem Niveau verharren“, glauben auch die Analysten von Goldman Sachs. Dies gelte zumindest so lange, bis auf der Angebotsseite neue Quellen erschlossen sind. Für 2005 wird ein WTI-Preis von 40 Dollar erwartet.

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