Die Entwicklung der US-Lagerbestände und die Situation im Irak führen zu Preisschwankungen
Unsicherheit am Ölmarkt nimmt zu

Die Ruhe an den Rohölmärkten währte nur kurz. Gleich eine ganze Palette schlechter Nachrichten ließ den Preis für das europäische Brentöl steigen. Gestern notierte es bei rund 35,80 Dollar je Barrel (159 Liter). Einig sind sich die Experten, dass die Verunsicherung der Märkte anhalten wird. Doch besteht keine Einigkeit darüber, wie sich die Preise nun weiter entwickeln werden.

DÜSSELDORF/MOSKAU. Ausgelöst wurde der Preisanstieg bereits in der Vorwoche durch neue Lagerbestandsdaten aus den USA. „Die Bestände sind überraschend gesunken“, sagt Dennis Nacken von Helaba Trust. Am Markt sei eigentlich eine erneute Aufstockung erwartet worden. Eine „Belastung auf der Angebotsseite“ bildeten zudem die neuen Sabotageakte im Irak, die gezielt auf Ölanlagen ausgeführt wurden. Die Exporte des Landes von gut 2 Mill. Barrel am Tag brachen zeitweise um die Hälfte ein. Für zusätzliche Verunsicherung an den Märkten sorgten Kommentare aus Saudi-Arabien und dem Iran, dass der Ölpreis ein faires Niveau erreicht habe bzw. die Aufstockung der Opec-Förderung Anfang August um weitere 500 000 Barrel noch einmal überdacht werden könnte.

Vor diesem Hintergrund wirkten die Nachrichten über mögliche Förderausfälle des russischen Energiegiganten Yukos wie eine „Hiobsbotschaft“, sagt Sandra Ebner. Denn „der Markt ist schon sehr nahe an den Kapazitätsgrenzen“, ergänzt die Ölexpertin der Deka Bank. Und es sei nicht absehbar, wo noch zusätzliches Öl herkommen könnte. Helaba-Trust-Analyst Nacken schränkt allerdings ein: „Yukos ist nicht das große Thema“.

Doch die Ereignisse um Yukos schüren die Sorgen vor neuen Versorgungsengpässen. Yukos produzierte im ersten Halbjahr 2004 nach Angaben der staatlichen Energiekommission täglich 1,72 Mill. Barrel Öl und will im Jahresmittel auf 1,8 Mill. Fass kommen. Damit ist Yukos wieder Russlands größter Erdölförderer vor Lukoil mit 1,66 Mill. Barrel täglich. Insgesamt steigerte Russland in den ersten sechs Monaten seinen Ölausstoß auf 223,6 Mill. Tonnen. Dies ist der höchste Wert seit 1991 – dem Jahr des Zerfalls der Sowjetunion. Ein Sprecher warnte, dass der Konzern seine Förderung drosseln oder einstellen müsste, wenn nach der Sperrung der Konten der Yukos-Holding dem Unternehmen jetzt auch noch der Geldstrom abgedreht werde: Westliche Banken haben ihren eine Milliarde Dollar umfassenden Konsortial-Kredit fällig gestellt und könnten die Exporterlöse des Unternehmens zur Begleichung der Forderung pfänden.

Das Londoner Centre for Global Energy Studies, CGES, sieht insgesamt Probleme bei der Ölversorgung. Die ganze Kette – vom Bohrloch bis zur Zapfsäule – befinde sich am Rande ihrer Belastbarkeit. Wegen der Zunahme des Weltölbedarfs um voraussichtlich 2,25 Mill. Barrel täglich (2,8 Prozent) im Jahr 2004 seien die frei verfügbaren Kapazitäten stark geschrumpft. „Die Mineralölbranche ist von dem Nachfragezuwachs der letzten beiden Jahren von jeweils mehr als zwei Prozent überrascht worden.“ Ohne neue Investitionen der Opec dürfte der verbleibende Kapazitätsspielraum schnell aufgebraucht sein. Es drohe daher ein wachsendes Versorgungsrisiko. Viel werde laut CGES von den Entwicklungen im Irak abhängen. Steve Turner von Commerzbank Securities in London registriert denn auch eine „wachsende Nervosität des Marktes“ über die anhaltenden Anschläge auf Ölanlagen im Irak.

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