Edelmetalle
Goldpreis rutscht unter die Marke von 800 Dollar

Der Preisverfall an den Rohstoffmärkten hat sich noch einmal beschleunigt. Mit der Kurserholung des Dollars sind vor allem die Preise der Edelmetalle unter Druck geraten.

HB LONDON/DÜSSELDORF. Gold kostete am Freitag erstmals seit knapp acht Monaten weniger als 800 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) und notiert aktuelle bei 796 US-Dollar. Der Silberpreis erlebte sogar den stärksten Rückgang seit zwei Jahren und kostete mit 12,70 Dollar so wenig, wie zuletzt im August vergangenen Jahres. Im März hatte das Edelmetall in der Spitze über 21 Dollar notiert. Am stärksten stürzte in den zurückliegenden Wochen Platin ab. Noch Anfang Juli hatte das Edelmetall über 2000 Dollar gekostet, nun sind es gerade einmal 1 361 Dollar. Auch die Preise von Rohöl, Industriemetallen und einigen Agrarrohstoffen gaben weiter nach.

Ausgelöst wurde Ausverkauf an den Rohstoffmärkten durch die Erholung des US-Dollars. Da an den Warenbörsen der Welt traditionell in US-Währung abgerechnet wird, führt der nach jahrelanger Talfahrt wieder anziehende Dollar zu Verkaufsorders. Für Investoren schwindet zudem ein Anreiz, sich mit Rohstoffinvestments gegen einen Wertverfall des Dollars abzusichern. Dies gilt ganz besonders für Gold; dessen Preis bewegt sich traditionell in entgegengesetzter Richtung zum Dollar. Zudem verteuert der Anstieg der US-Devise den Kauf von Rohstoffen insgesamt in anderen Währungsräumen und bremst dort die Nachfrage.

Der Greenback hat gegenüber dem Euro stark zugelegt. Erstmal seit sechs Monaten notierte der Euro unter 1,47 Dollar. "Die Dollar-Stärke hat in Verbindung mit festeren Aktienkursen eine Verkaufswelle ausgelöst", kommentiert die Landesbank Baden-Württemberg die Entwicklung. Angesichts der rückläufigen Minenförderung und der hohen Inflationsraten bleiben die Analysten aber positiv für Gold gestimmt.

Auch Eugen Weinberg von der Commerzbank hält das Abwärtspotenzial bei Gold für begrenzt, zumal die wichtige Schmuckindustrie bei Preisen von unter 800 Dollar das Edelmetall wieder stärker nachfragt. Aber: "Solange der US-Dollar weiter aufwertet, sollte Gold in der Defensive bleiben", meint Weinberg. Auch die Citigroup sieht den Preisrückgang bei Gold nur als kurzfristige Korrektur. Da die Nachfrage von Goldabnehmern aus der Industrie anziehe, könne sich der Preis des Edelmetalls bis 2010 durchaus verdoppeln, so die Analysten.

Die Rohstoffe insgesamt leiden zudem unter der Befürchtung, dass sich die Weltkonjunktur abschwächen wird und damit die Nachfrage nach Rohstoffen zurückgeht. Dies trifft überproportional auch Silber und Platin, die anders als Gold eher als Industriemetalle gelten. Im zweiten Quartal ist die Wirtschaftskraft des Euro-Raums gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent gefallen. Die US-Wirtschaft steht wegen der Krise am Häuser- und Hypothekenmarkt weiter am Rande einer Rezession.

"Die Preise haben ein Hoch hinter sich", sagt Investmentexperte Marc Faber mit Blick auf die Rohstoffe. "Ob es sich um das endgültige Rekordhoch handelt oder sich die Preise nur von einem zwischenzeitlichen Hoch zurückgezogen haben, ist allerdings noch nicht auszumachen. Es könnte jedoch weiter bergab gehen." Faber galt unter den Marktbeobachtern lange Zeit als Rohstoffguru. Wer seinem Rat zu Goldkäufen im Jahr 2001 folgte, konnte seinen Einsatz bisher mehr als verdoppeln. 1987 machte er sich einen Namen, als er Investoren vor dem Aktiencrash am so genannt "Schwarzen Montag" zum Ausstieg aus US-Aktien riet.

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