Energiemärkte
Preisverfall am Markt für CO2-Emissionsrechte

An den Energiebörsen ECX in Amsterdam und EEX in Leipzig sackte der Preis für die Kohlendioxid-Zertifikate für das Jahr 2006 von einem Rekordniveau bei rund 31 Euro je Tonne innerhalb von nur einer Woche auf zeitweise 14 Euro je Tonne ab. Am Donnerstag erholten sich die Notierungen dann wieder und pendelten sich auf 17 Euro je Tonne ein.

FRANKFURT. Am Markt für Kohlendioxid(CO2)-Emissionszertifikate ist es in den vergangenen Tagen zu einem regelrechten Kollaps gekommen, nachdem die Preise zuvor stark gestiegen waren. An den Energiebörsen ECX in Amsterdam und EEX in Leipzig sackte der Preis für die Kohlendioxid-Zertifikate für das Jahr 2006 von einem Rekordniveau bei rund 31 Euro je Tonne innerhalb von nur einer Woche auf zeitweise 14 Euro je Tonne ab. Gestern erholten sich die Notierungen dann wieder und pendelten sich auf 17 Euro je Tonne ein.

„Wir verfügen über einen starken Überhang an Emissionsrechten“, hieß es in Marktkreisen. Grund: Einige europäische Länder wie Estland, Belgien, Spanien, Frankreich, Tschechien und die Niederlande hatten die Marktteilnehmer im Rahmen ihrer laufenden Informationsverpflichtungen wissen lassen, dass sie beim Ausstoß von Kohlendioxid im Jahr 2005 deutlich unter den Grenzen geblieben sind, die ihnen im Rahmen des Kyoto-Protokolls zugestanden worden waren. Im Rahmen dieser völkerrechtlich verbindlichen Regelung ist es Unternehmen aus bestimmten energieintensiven Branchen erlaubt, nicht genutzte Emissionsrechte am Markt zu verkaufen. Von dieser Regelung haben die Unternehmen in den genannten Ländern Gebrauch gemacht und ihre Emissionsrechte an den bislang noch weitgehend illiquiden Märkten verkauft. Auf diese Art und Weise bildete sich sehr rasch ein Überschuss an Emissionsrechten heraus, was zum Einbruch der Preise führte. Hinzu kam, dass diese Nachrichten für den Markt vollkommen überraschend waren. Erwartet worden war, dass tendenziell eher eine Unterdeckung mit CO2-Emissionsrechten besteht. „Wir wurden von diesen Meldungen vollkommen überrascht“, hieß es in London.

Beobachter wiesen in diesem Zusammenhang auf den Mangel an verlässlichen Informationen hin und kritisierten dafür nicht zuletzt die Regierungsstellen in den einzelnen Ländern. Diese hätten diesen politisch gewollten Markt aufgesetzt, sich dann in der Folgezeit jedoch zu wenig um einen verlässlichen Informationsfluss gekümmert.

„Der noch junge und unreife Markt muss jetzt seine erste Bewährungsprobe bestehen“, sagte Kirsten Migowski von Energy & Commodity Services – einer Tochter der Bayerischen Landesbank. Am Markt sei derzeit die Rede von einem Überschuss an CO2-Emissionsrechten von fast 40 Mill. Tonnen. Beobachter warten jetzt mit Spannung darauf, welche Zahlen andere EU-Saaten wie Deutschland, Großbritannien, Italien, Portugal und Polen vorlegen werden. Die Länder sind verpflichtet, bis zum 15. Mai konkrete Zahlen über ihren Ausstoß von Kohlendioxid im Jahr 2005 zu veröffentlichen. Sollte sich EU-weit eine Überdeckung mit Verschmutzungsrechten herauskristallisieren, sei ein weiterer Preisverfall auf das bisherige Tief von 6 Euro je Tonne oder weniger möglich. „Unter Marktaspekten sind das schlechte Nachrichten“, sagte James Emanuel vom Broker CO2e.com.

Das Debakel am CO2-Markt hatte einen anderen wichtigen Nebenaspekt: An den Börsen gerieten die Kurse der Energieversorger unter Druck. Begründet wurde dies mit rückläufigen Strompreisen als Folge des Einbruchs der Preise für CO2-Verschmutzungsrechte. Analysten des Finanzhauses Morgan Stanley wiesen auf den engen Zusammenhang zwischen Strom- und CO2-Emissionspreisen hin. Andere suchten eine Erklärung darin, dass sich einige Versorger, die bei der Stromerzeugung vor allem auf traditionelle fossile Energieträger setzen, in jüngster Zeit zu hohen Preisen am Markt mit Verschmutzungsrechten eingedeckt haben.

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