Erholung erst wieder nach einer weiteren Schwächephase zu erwarten
Experten senken Euro-Prognosen

Nach dem Kursanstieg des Dollars in den zurückliegenden Wochen haben etliche große Banken ihre kurzfristigen Kursprognosen für den Euro deutlich reduziert. Sie gehen davon aus, dass die Währung kurzfristig an Wert verliert und sich dann wieder erholt. Zuvor waren die meisten Experten von kurzfristig stabilen und mittelfristig deutlich höheren Euro-Kursen ausgegangen.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Heute kostete der Euro kostete 1,2052 Dollar, nachdem er im asiatischen vorübergehend auf 1,2018 Dollar abgerutscht war. „Die Zinsdifferenz ist ein Plus für den Dollar“, sagte Devisenstratege Shahab Jalinoos von ABN Amro. Der Leitzins für die Eurozone liegt derzeit bei 2,0 Prozent, und an den Finanzmärkten wird seit Wochen über eine Senkung spekuliert. Der US-Leitzins beträgt dagegen 3,0 Prozent. Anleger rechnen fest damit, dass die US-Notenbank (Fed) den Satz Ende Juni zum neunten Mal in Folge um weitere 25 Basispunkte anheben wird.

Die Volkswirte von Goldman Sachs senkten gestern ihre Euro-Prognose sogar zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit. Als Gründe nennen sie die „positive Überraschung“ bei den jüngsten US-Handelsbilanzzahlen, Äußerungen von US-Notenbankchef Alan Greenspan, die auf weitere Zinserhöhungen hindeuten, und „negative Nachrichten aus Europa“. In den nächsten drei Monaten rechnen sie nun mit einem Rückgang des Euro-Kurses bis auf 1,15 Dollar.

Auch die Experten der Investmentbanken Bear Stearns, CSFB, JP Morgan, Lehman Brothers, Morgan Stanley und UBS haben ihre Prognosen gesenkt. Sie begründen dies mit der politischen Unsicherheit in Europa, dem schwachen Wachstum in Deutschland und der Erwartung eines zunehmenden Zinsabstands zu den USA.

Seit Mitte März hat der Euro zum Dollar schon rund zehn Prozent an Wert verloren, allein seit der Ablehnung der EU-Verfassung in Frankreich Ende Mai fünf Prozent. Zum Vergleich: Gegenüber dem Yen hat der Euro seit dem „Non“ zur EU-Verfassung knapp vier Prozent nachgegeben, gegenüber dem britischen Pfund rund drei Prozent und gegenüber dem Schweizer Franken etwa ein Prozent. Was bis Mai vor allem eine Dollar-Stärke war, ist seither auch zu einer erkennbaren Euro-Schwäche geworden.

„Die politische Situation ist zunehmend unsicher geworden“, kommentieren die Experten von Goldman Sachs die Entwicklungen in Europa. „Es ist ein richtiger Vertrauensverlust beim Euro festzustellen“, sagt auch Michael Klawitter, Währungsexperte der WestLB. Viele Analysten stellen seit dem Scheitern der EU-Verfassung in Frage, ob es weitere wachstumsfreundliche Strukturreformen in Europa gibt.

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