Euro und Gold geben zum Handelsschluss nach
"Dollar-Schwäche noch lange nicht zu Ende"

Euro und Gold haben am Donnerstag ihren Höhenflug fortgesetzt, zum Handelsschluss dann aber wieder etwas nachgegeben. Der Goldpreis erreichte zwischenzeitlich zum fünften Mal in Folge ein neues 16-Jahre-Hoch, parallel markierte der Eurokurs ein neues Rekordhoch.

HB LONDON/FRANKFURT. Der Euro ist am Donnerstag bis auf 1,3075 Dollar gestiegen und anschließend knapp unter 1,30 Dollar zurückgefallen. Händler begründen dies mit Gewinnmitnahmen. Insgesamt sei die Dollar-Schwäche aber noch lange nicht zu Ende. Zwar habe US-Finanzminister Snow erneut die "Strong Dollar Policy" bekräftigt, aber gleichzeitig betont, dass er international abgestimmte Interventionsmaßnahmen für wirkungslos halte, gibt ein Teilnehmer zu bedenken.

Der Händler erwartet nun, dass der Markt die Schmerzgrenze der Europäischen Zentralbank (EZB) mit aller Macht nach oben austesten wird. In den kommenden Handelstagen könne es zum Test der 1,3080 Dollar kommen, eventuell gefolgt von einem Anstieg auf 1,3150 Dollar.

Auslöser für das erneute Rekordhoch des Euro sei die Nachricht gewesen, Russland wolle im kommenden Jahr die Dollar-Anbindung des Rubel aufgeben, sagte Devisenanalyst Carsten Fritsch von der Commerzbank. Russland wolle zu einem Währungskorb übergehen, in dem der Euro bis zu 70 % Gewicht haben werde. Als weiteren Grund für den teuren Euro nannten Händler die Dollar-Abwertung in Asien. Dort rutschte der Greenback gegenüber dem japanischen Yen auf ein Siebenmonatstief. Dadurch sei der Dollar auch gegenüber dem Euro abgewertet worden.

Experten rieten der Europäischen Zentralbank (EZB) von einem Eingriff auf dem Devisenmarkt ab, obwohl der teure Euro die Konjunkturerholung in den zwölf Euroländern bedroht. „Die EZB ist nicht das Vollkaskoinstitut für europäische Exporteure, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben“, sagte der Chefanalyst der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer. Die Unternehmen hätten alle Chancen gehabt, sich rechtzeitig Kursen gegen Wechselkursschwankungen abzusichern.

Ohne Wirkung blieben Äußerungen von Bundesfinanzminister Hans Eichel, der den Höhenflug des Euro als „brutale Entwicklung“ bezeichnete. Er schloss sich damit praktisch wörtlich dem EZB- Präsidenten Jean-Claude Trichet an, der die Wechselkursschwankungen vergangene Woche als „brutal“ bezeichnet hatte.

Parallel ist die Rally der Anleger in das gelbe Metall abermals dem einbrechenden Dollar zuzuschreiben, der die Bedeutung des Goldes als alternative Investmentform unterstreiche, sagten Händler. Den neuen Höchststand erreichte Gold im europäischen Handel bei 445,90 Dollar je Feinunze. Danach verlor es parallel zur leichten Erholung der US-Devise wieder und notierte gegen Handelsschluss bei 440,35/441,10 Dollar nach 444,25/445,00 Dollar am Vortag. Das Londoner Fixing erfolgte am Nachmittag bei 442,00 Dollar und am Vormittag bei 444,30 Dollar. Am Dienstagnachmittag war Gold mit 443,45 Dollar gefixt worden.

Nach Aussage von Händler könnte Gold in absehbarer Zeit die Marke von 450 Dollar knacken, da die USA nach einhelliger Marktmeinung ihr enormes Doppeldefizit zumindest teilweise über eine weitere Dollarabwertung finanzieren würden. Vom bevorstehenden Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der wichtigsten 20 Industrieländer (G-20) am Freitag in Berlin werden keine Aktionen oder Impulse erwartet. Im Vorfeld bezeichnete US-Finanzminister John Snow Devisenmarktintervention als „bestenfalls nicht lohnend“.

Während der beiden Ölpreis-Schocks 1973 und 1979 war Gold in Folge des Dollar-Verfalls bis auf 850 Dollar im Januar 1980 gestiegen. Eine Schweizer Grossbank gab den Gold-Kilopreis mit 16 433/16 683 (Vorabend 16 519/16 769) sfr an.

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