Europäische Währungsunion
Die Euro-Kritiker sind noch nicht verstummt

Schon lange vor Einführung des Euros ließ das Projekt die Emotionen hochkochen, sowohl unter Ökonomen als auch in der Bevölkerung lieferten sich Kritiker und Befürworter der Währungsunion heftige Wortgefechte. Welche Erwartungen der Euro erfüllt hat - und welche Befürchtungen wahr geworden sind. Ein Rückblick.

FRANKFURT. Am ersten Januar 2009 ist es zehn Jahre her, dass die D-Mark und die Währungen der damals zehn übrigen Mitgliedsländer der Europäischen Währungsunion zu Untereinheiten des Euros wurden. Das Projekt hat schon lange vorher die Emotionen hoch schlagen lassen, in der breiten Bevölkerung ebenso wie unter den Ökonomen. Es gab zwei Manifeste gegen die Währungsunion im Jahr 1992 und nochmals kurz vor Beginn 1998 unter Führung von Reate Ohr, eine Ökonomen- und Juristenklage vor dem Bundesverfassungsgericht und ein Pro-Euro Manifest 1997 unter Führung des Würzburger Ökonomen Peter Bofinger.

Mit der Euro-Einführung hat der Disput an Schärfe verloren. Beigelegt ist er deshalb nicht. Der Tübinger Euro-Gegner Joachim Starbatty, der vor das Verfassungsgericht gezogen war, veröffentlichte noch Ende 2006 einen Diskussionsbeitrag zu "Sieben Jahre Währungsunion", in dem er die alten Gegenargumente durchging und feststellte, dass sie immer noch gelten.

"Letzten Endes ist eine Währungsunion damit eine nicht kündbare Solidargemeinschaft, die nach aller Erfahrung für ihren dauerhaften Bestand eine weitergehende Verbindung in Form einer umfassenden politischen Union benötigt", hatte die bis zuletzt eher widerwillig dem Projekt zustimmende Bundesbank in ihrem Monatsbericht von 1990 gewarnt. In der angelsächsischen Welt war diese Einschätzung absolut dominierend. Bis kurz vor Einführung des Euros kamen von dort Kommentare, dass es zu der Währungsunion nicht kommen würde, weil sie unmöglich sei, oder dass sie binnen kurzem zerfallen werde. Die Skeptiker wurden eines besseren belehrt. Nach zehn Jahren prognostiziert niemand, dass die Währungsunion in absehbarer Zeit zerfallen könnte.

Die deutschen Kritiker des Projekts hatten befürchtet, der Wegfall der Wechselkurse würde dazu führen, dass eine Transferunion entsteht. Die gut wirtschaftenden Länder (also Deutschland) würden den schlecht wirtschaftenden (den Südländern), die nicht mehr abwerten können, mit Transferzahlungen aushelfen müssen. Dazu ist es bisher nicht gekommen. Trotzdem bleibt das Unbehagen verbreitet, dass eine Währungsunion ohne politische Union eigentlich nicht funktionieren kann.

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