Experten erwarten Abschwächung der Notierung erst im kommenden Jahr
Sonderfaktoren halten Rohölpreis auf hohem Niveau

Der Ölpreis ist wieder deutlich gestiegen. Das in Europa maßgebliche Brentöl stieg bis auf knapp 30 Dollar je Barrel ($/b; 1 b = 159 Liter). Gestern fiel der Preis wieder leicht zurück, hielt sich aber über 29 Dollar.

DÜSSELDORF. Ausgelöst wurde der jüngste Preisanstieg vor allem durch drei kurzfristig wirkende Faktoren, die an den Märkten Versorgungsängste ausgelöst hatten: der Angriff Israels auf Syrien, der Tropensturm Larry in Mexiko und der drohende Generalstreik in Nigeria. Unabhängig davon erwarten Experten längerfristig jedoch leicht rückläufige Notierungen.

Für Mélanie Micza, Rohstoffexpertin der Commerzbank, steht dabei die Situation in Israel im Mittelpunkt. Hinter dem Preisanstieg stecke die „Angst, die Lage im Nahen Osten könnte eskalieren“. Sollte dies passieren, erwartet Sandra Ebner von der Deka Bank, dass erneut die Spekulation „auf den Plan gerufen wird“. Der Preis könnte dann wieder steigen. Bisher zeichne sich aber noch keine Beeinflussung der Ölproduktion in der Region ab.

Zur gestrigen Preisberuhigung trug bei, dass sich der Sturm in Mexiko abschwächte. Zuvor hatten die Marktteilnehmer Ebner zufolge befürchtet, dass US-Produktionsanlagen im Golf von Mexiko beschädigt werden könnten. Erste Zeichen für eine Entspannung gibt es zudem aus Nigeria. Dort wird möglicherweise der Generalstreik noch vermieden.

Grundsätzlich sorgen sich einige Akteure an den Märkten aber unverändert über die Lagerbestände. Während Mélanie Micza sie als „nicht so schlecht“ ansieht, ist für Sandra Ebner entscheidend, wie sich die US-Heizölbestände bis Ende Oktober entwickeln. Würden sie nicht aufgebaut, könnte Brentöl noch einmal auf über 30 $ steigen.

Die Opec spiele mit ihrer Angebotsverknappung ein riskantes Spiel, meint daher der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt. Die ab November um 0,9 auf 24,5 Mill. b pro Tag reduzierte Förderquote des Kartells habe die Weltölmärkte kurzfristig auf Hausse gestimmt. Neben den relativ geringen kommerziellen Lagervorräten sorge der saisonal höhere Ölbedarf im Winter für eine prekäre Versorgungslage, warnt Schmitt. Ob die Märkte tatsächlich auf Messers Schneide stehen, hänge nun maßgeblich davon ab, wie streng der Winter ausfalle und inwieweit durch politische Unruhen bei wichtigen Kartellmitgliedern Lieferausfälle drohten, stellt auch Hans W. Schiffer, Energieanalyst der RWE Rheinbraun, heraus. Der Herausgeber des Hamburger Fachblatts Energie-Informationsdienst (EID), Heino Elfert, warnt jedoch davor, die Versorgungsängste zu übertreiben. So würden u.a. die Produktionskürzungen der Opec erst mit Verzögerung auf die Verbrauchermärkte durchschlagen. Doch dann blickten die Märkte schon auf das nächste Frühjahr mit einem saisonal rückläufigen Verbrauch, resümiert der EID-Experte.

Die Ölexperten sind mit ihren Preisvoraussagen allesamt vorsichtig geworden. In diesem Jahr hat es reichlich Fehlprognosen gegeben. Nach Angaben des New Yorker Fachblatts Petroleum Intelligence Weekly (PIW) prognostizieren 18 befragte Institutionen im Durchschnitt für das amerikanische Erdöl Westtexas Intermediate (WTI) für das Jahr 2004 einen Rückgang auf knapp 25 $. Dabei bewegen sich die Schätzungen in einer Bandbreite von 21 bis fast 31 $ je Barrel.

Ebner rechnet für das kommende Jahr mit einem WTI-Preis von rund 27 $. Für das üblicherweise etwas niedriger notierende Brentöl sieht sie einen Durchschnittspreis von 25 $/b. Im vierten Quartal werde Brentöl aber noch bei rund 27 $ und tendenziell sogar eher noch höher notieren. Micza erwartet bis Jahresende eine „leichte Abflachung des Preises bis auf 25/27 $/b. Auch die Deka-Bank-Expertin rechnet in ihrem Basisszenario mit einem Durchschnittspreis von 25 $/b. Sie stimmen mit der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris überein, die davon überzeugt ist, dass im nächsten Jahr Entlastungen auf den Weltölmärkten vorauszusehen sind.

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