Exportengpass durch fehlende Pipelines
Russland kann Ölexport nicht steigern

Russlands Ölförderer sehen trotz Rekordpreisen auf den Weltmärkten schweren Zeiten entgegen. Denn während die Produktion von Erdöl und Gaskondensat allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um weitere 10,4 Prozent gestiegen ist, sind die Exportkapazitäten des staatlichen Pipeline-Monopolisten Transneft voll ausgereizt. Im Mai exportierte Russland mehr als neun Mill. Barrel (je 159 Liter) Rohöl pro Tag.

mbr MOSKAU. Solange keine neuen Pipelines gebaut werden, müssen die russischen Ölkonzerne verstärkt auf teure Bahntransporte setzen und bauen inzwischen – wie Branchenprimus Lukoil an der Ostsee – Verschiffungshäfen. Nach einem Anstieg der Öltransporte per Bahn um 16,8 Prozent im vergangenen Jahr werden inzwischen sogar Zisternenwaggons knapp. Auch russische Tanker gibt es inzwischen zu wenige.

Lukoil und seine Branchen-Mitbewerber wie Yukos, Surgutneftegas, TNK-BP oder Sibneft sind indes bereit, auch eigene Pipelines zu bauen. Doch der Staat hält am Monopol von Transneft fest. Transneft verlangt sogar staatliche Kontrolle über privat gebaute Häfen wie Lukoils vorige Woche eröffneten Verschiffungsterminal Wysozk bei St.Petersburg.

„Der Fall Yukos wurde zur Seuche für alle russischen Ölkonzerne“, kommentiert die Zeitung Nesawisimaja Gasjeta. „In letzter Zeit haben sogar die dem Kreml gegenüber loyalsten Firmen ständig Probleme mit staatlichen Strukturen.“ So will Transneft die geplante Nord-Pipeline, von der aus Tanker in die USA geschickt werden können, nicht mehr zum eisfreien Hafen Murmansk bauen, sondern in den Eismeer-Hafen Indiga. Außerdem überprüft das Naturressourcen-Ministerium derzeit zehn Großlizenzen für Mega-Ölfelder. Unter den Betroffenen sind neben Lukoil & Co. auch internationale Ölmultis wie Shell und Exxon Mobil, deren Förderlizenzen ebenfalls hinterfragt werden.

Doch das bisher größte Problem bleibt der Mangel an Ausfuhrkapazitäten: So ist die Murmansk-Route noch nicht beschlossen, und das wichtige Projekt einer Pipeline nach China oder Japan, die zusätzliche 80 Mill. Tonnen Rohöl nach Asien schaffen könnte, wartet auf eine Entscheidung. Nach der Machbarkeitsstudie im Juli soll nun endlich ein Entschluss gefasst werden, sagte Industrie- und Energieminister Wiktor Christenko. Präsident Putin hatte von seiner Regierung in der Rede zur Lage der Nation kürzlich entnervt „schnelle Entscheidungen“ in Sachen Pipelines verlangt.

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