Finanzmärkte
Schuldenkrise lastet auf Euro und Bundesanleihen

Europäische Schuldenkrise und kein Ende: Auch am Freitag trieben Spekulationen über weitere Kandidaten für den EU-Rettungsschirm die Anleger verstärkt in die Weltleitwährung Dollar. "Für Portugal gibt es wohl kein Zurück mehr", sagte ein Börsianer. "Nun beobachtet der Markt, ob Spanien gerettet werden muss."
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rtr FRANKFURT. Der Euro fiel mit 1,32 Dollar zeitweise auf den tiefsten Stand seit Ende September. Am Nachmittag notierte er mit 1,3233 (Donnerstagabend: 1,3352) Dollar nur leicht darüber.

Im Gegenzug kletterte der Dollar-Index, der die Kursentwicklung der US-Valuta zu sechs wichtigen Währungen widerspiegelt, auf ein Zwei-Monats-Hoch von 80,381 Punkten.

Einem Zeitungsbericht zufolge drängen die Euro-Länder das hoch verschuldete Portugal, ebenso wie Irland unter den Rettungsschirm von EU und IWF zu schlüpfen. Die Regierung in Lissabon dementierte den Bericht, was den Druck an den Finanzmärkten aber nicht mindern konnte. Die Analysten der Commerzbank hielten allerdings dagegen: Es sei unwahrscheinlich, dass ein solcher Druck auf Portugal nicht irgendwie nach außen gedrungen wäre. "Zudem wäre ein solches Vorgehen unglaublich riskant und würde mehr oder weniger alles auf eine Karte setzen." Aus charttechnischer Sicht droht dem Euro nach Ansicht von CMC Markets ein Rückfall in Richtung 1,27 Dollar, sollte die Gemeinschaftswährung diese Woche unter 1,3260 Dollar schließen.

Auch am Anleihemarkt gab es keine Entspannung: Die Spekulationen über die Kosten der Rettung von Staaten wie Irland, Portugal oder Spanien dämpften die Nachfrage nach deutschen Staatspapieren, sagten Händler. Der Bund-Future notierte wenig verändert bei 127,31 Punkten.

Die Zweifel der Anleger an der Zahlungsfähigkeit Spaniens wuchsen weiter. Die geforderten Risikoaufschläge (Spreads) für zehnjährige Anleihen des südeuropäischen Staates stiegen im Vergleich zu den entsprechenden Bundespapieren um neun Basispunkte auf ein Rekordhoch von 265 Basispunkten. Damit erhöhte sich die Rendite auf 5,25 Prozent. Dies ist der höchste Stand seit 2002. "Der Markt konzentriert sich eher auf Spanien als auf Portugal", sagte Zinsstratege Nick Stamenkovic von RIA Capital Markets. Denn für die meisten Anleger gelte als sicher, dass Portugal wie Irland unter den Rettungsschirm von EU und IWF schlüpfen müsse. "Die Kursentwicklung der spanischen Anleihen zeigen Anzeichen einer Ansteckung, allerdings halten wir die Sorgen um Spanien für überzogen. Auch die irischen und portugiesischen Spreads zogen weiter an.

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  • Wenn Wirtschaftsgeschichte eins lehrt, dann das:
    Parallelwährungen in einem Wirtschaftssystem rufen unmittelbar Spekulanten in der bewertung der beiden unterschiedlichen Währungen hervor.
    Also: Die eine Währung weg (Staatsbankrotterklärungen mal im halben Dutzend; das wäre neu!) und jeder seine Währung zum Abwerten.
    Es wartet natürlich trotz allem auf jeden Einzelstaat die Schuldenfalle - und siehe da -, da sind sie wieder, die Spekulanten!

  • ...es geht nicht mehr um die Rettung des Euros. Der Rettungsschirm - wie groß er am Ende auch sein mag - konserviert nur ein krankes in sich inhomogenes System für einen bestimmten Zeitraum. Griechenland, irland, Portugal und Spanien können sich aus ihrer selbst erzeugten Schuldenblase nicht selbst befreien. ihre strukturellen Probleme überdauern auch in Zeiten der Sparhaushalte, teilweise verstärken sie sich sogar. Am bespiel Griechenland kann man beobachten, dass das Land, das angeblich jetzt auf einem so guten Weg ist, in Wirklichkeit derzeit in einem finanzpolitischem Tsunami versinkt. Höhere Steuern und fehlendes Vertrauen haben dem Land schwer zugesetzt. Die Arbeitslosigkeit explodiert, die Pleiten ebenfalls. Das Geld fließt in Strömen aus dem Land und findet z.b. in Zypern eine neue Heimat. Statt den Haushalt zu sanieren, reißen die bemühungen der Regierung und des iWFs das Land in die Totalrezession. Minus 5 Prozent werden es am Jahresende sein. neue Schuldenhöchststände sind ausgemachte Sache. Eine Generation Elend richtet der Euro in diesem Land gerade an. - Wir noch reichen Länder können und wollen per Transferunion dieses Elend nicht dauerhaft kaschieren. Vielen ist klar, dass wir uns an dieser Last übernehmen würden. Deshalb hift nur ein mutiger Schritt: Die Wiedereinführung von nationalen Parallelwährungen. Dies ist rechtlich möglich und machbar. Die Griechen bekommen wieder eine Drachme, die Deutschen ihre neue D-Mark. Der Trickk an der Sache ist die Parallelität. Altschulden werden weiterhin in Euro abbezahlt. Dieser Euro wird jedoch ohne seine praktische Relevanz und mit einer schnell laufenden Druckerpresse massiv abwerten. Auch zur neuen Drachme. Auf diese Weise profitieren alle Staaten von ihren neuen Währungen und können aus eigener Kraft Euro-Schulden zurück zahlen. - Nur ein kleiner Versprecher auf den Finanzmärkten durch z.b. Frau Merkel, die einfach mal statt Euro zufällig D-Mark sagt, schon hätten wir eine wunderbare Eigendynamik im Markt. Der Euro würde zum Sturzflug ansetzen.

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