Flucht in Sicherheit
Gold und Silber setzen Rekordjagd fort

Am Edelmetallmarkt purzeln weiter die Rekorde. Der Goldpreis kletterte auf mehr als 1460 Dollar - so teuer war Gold noch nie. Noch stärker steigt Silber, das kurz vor der Marke von 40 Dollar je Feinunze steht.
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DüsseldorfAngesichts der zahlreichen Krisen in aller Welt haben sich die Anleger am Rohstoffmarkt nun doch wieder auf das Altbewährte gestürzt: Die Preise für Gold und Silber zogen am Mittwoch an. Für Preisphantasie sorgten die Unruhen im arabischen Raum, die Euro-Schuldenkrise, der schwache Dollar und die lockere Geldpolitik westlicher Zentralbanken, urteilten die Analysten der Commerzbank. Dass die Europäische Zentralbank (EZB) kurz vor einer Zinswende steht und China erst am Dienstag die Zinsen erhöht hatte, klammerten die meisten Anleger aus.

Die Feinunze Gold verteuerte sich um 0,7 Prozent auf 1460,60 Dollar, Silber um rund ein Prozent auf 39,64 Dollar. Gold notierte damit auf einem Rekordniveau, während Silber so teuer wie seit 31 Jahren nicht mehr ist. „Der Anstieg ist auch auf den höheren Eurokurs zurückzuführen“, erklärte ein Händler. Die Gemeinschaftswährung profitiert von der Erwartung auf eine Zinserhöhung am Donnerstag um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent.

In Euro berechnet notierte der Goldpreis denn auch bei rund 1020 Euro wenig verändert. Laut Börsianern stützten Inflationsängste, die letztlich hinter den Zinserhöhungen stehen, aber den Goldpreis. Zudem sind sich die Notenbanker in den USA - der weltgrößten Volkswirtschaft - nicht einig, wann sie angesichts steigender Verbrauchspreise die Zinsschraube anziehen sollten.

Parallel zum im Dollar gerechneten Goldpreis stieg der südafrikanische Goldminen-Index um bis zu 2,9 Prozent auf ein Fünf-Monats-Hoch von 2869,65 Punkten. Börsianern zufolge verhinderte die Stärke des Rand deutlichere Kursgewinne.

Auch Industriemetalle wie Kupfer und auch Öl aus der Nordsee wurden wieder teuerer. Kupfer kostete mit 9552,50 Dollar bis zu 1,7 Prozent mehr. Händler erklärten, die Anleger setzten auf steigende Importe Chinas im März.

Der Preis für ein Fass (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent kletterte um 0,4 Prozent auf 123 Dollar und notierte damit so hoch wie seit dem Sommer 2008 nicht mehr. „In Libyen gibt es einen Patt, und das stützt die Ölpreise“, fasste ein Börsianer zusammen. Von Reuters befragte Analysten und Händler rechnen für die zweite Jahreshälfte mit einem Anstieg des Brent-Preises auf 130 Dollar. US-Leichtöl der Sorte WTI kostete mit 108,41 Dollar in etwa so viel wie am Dienstag. Händler erklärten den großen Preisunterschied mit den vollen Lagern in den USA.

Nach dem Preisrutsch vom Dienstag hat sich Kakao wieder etwas verteuert. Der US-Kontrakt stieg um 0,9 Prozent auf 3001 Dollar je Tonne, der in London gehandelte Future um 0,6 Prozent auf 1923 Pfund Sterling je Tonne.

Börsianer sagten aber weitere Kursverluste voraus, da sich der Machtkampf im weltweit wichtigsten Exportland Elfenbeinküste offenbar dem Ende nähere. Damit rücke auch die Wiederaufnahme der Kakao-Ausfuhren näher. Wegen der Unruhen in dem afrikanischen Land war der US-Kontrakt Anfang März auf ein 32-Jahres-Hoch von 3.826 Dollar gestiegen. Der Schokoladen-Grundstoff ist aktuell aber immer noch knapp zehn Prozent teurer als vor den Präsidentschaftswahlen in der Elfenbeinküste im November.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Price action makes market commentary. Bin gespannt was die EZB Donnerstag macht. Vllt gibts dann nochmal eine Nachkaufgelegenheit bevor Portugal hopps geht.

  • Ja isses denn zu fassen? Gold u. Silber im Höhenrausch? Wie das denn, nachdem man uns gestern noch erklärt hat dass die Zentralbanken nun wieder Vertrauen in die Wirtschaft hätten?? hahahaha.... Kann es vllt. sein dass der durchschnittliche Bürger kein Vertauen mehr in die Gelddruckmaschinen der EZB u. FED hat????

  • Kenneth Rogoff hält ein Bündel von Staatsbankrotten für wahrscheinlich. Aber: Der Euro ist unser Schicksal, eine Frage von Krieg und Frieden. Da muss man schon das Schicksal in die eigene Hand nehmen. Und da wundert es überhaupt nicht, wenn die EM-Preise noch deutlich steigen werden. Bedrucktes Papier (=FIAT-Money) ist eben nichts Anderes als bedrucktes Papier - noch nicht mal geeignet, sich den A**** damit abzuwischen, wenn alles zusammenbricht.

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