Förderquote
Opec fordert Weltwirtschaft heraus

Macht die Opec tatsächlich ernst? Wird sie die Ölförderung kürzen – und damit die ohnehin wankende Weltwirtschaft erst recht zum Absturz bringen? Was da derzeit aus den Reihen des Ölkartells zu hören ist, lässt jedenfalls nicht hoffen.

LONDON/DÜSSELDORF. Alle Mitglieder stünden hinter der Verknappung des Angebots, sagte etwa Opec-Präsident Chakib Khelil . Ökonomen sehen solche Ankündigungen mit Grausen. „Steigende Ölpreise wären jetzt reines Gift für die deutsche Volkswirtschaft“, sagt DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier. Allianz-Ökonom Michael Heise sieht in den Rekordpreisen vom Sommer gar den Auslöser der jetzigen Rezession.

Aller Voraussicht nach werden die Opec und Russland die Ölproduktion in einem koordinierten Schritt zurückfahren. Die Aussagen von Ölministern der Opec-Staaten vor ihrem Treffen im algerischen Oran lassen eine deutliche Kürzung um zwei Mio. Barrel (je 159 Liter) am Tag oder sogar mehr erwarten. Opec-Präsident Khelil sagte, er erwarte, dass sich Russland dem Schritt anschließe. Nach Angaben des russischen Ölkonzerns Lukoil hat die Opec Russland um eine Kürzung von 200 000 bis 300 000 Barrel am Tag gebeten. Russland ist nach Opec-Mitglied Saudi-Arabien der zweitgrößte Ölproduzent weltweit.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag rechnet für 2009 mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 65 Dollar. Das würde die deutsche Volkswirtschaft gegenüber 2008 um etwa 27 Mrd. Euro entlasten – 2008 pendelte der Ölpreis zwischen 40 und 150 Dollar pro Barrel. Ifo-Konjunkturexperte Kai Carstensen fürchtet, steigende Ölpreise könnten den „einzigen Lichtblick für die deutsche Konjunktur, den privaten Konsum, wieder abwürgen“ Die gesunkenen Preise hätten die reale Kaufkraft erheblich gestärkt.

Fraglich ist allerdings, was die Opec tatsächlich bewirken kann. Bereits im Oktober hatte die Organisation eine Kürzung der Fördermengen um 1,5 Mio. Barrel pro Tag beschlossen, die nach eigenen Angaben zu drei Vierteln umgesetzt ist. Den Preisverfall hat sie damit nicht aufhalten können. Der Ölpreis ist von seinem im Juli erreichten Höhepunkt von 147 Dollar um mehr als 100 Dollar gefallen. Joachim Scheide vom Kieler Institut für Weltwirtschaft meint, der niedrige Ölpreis sei Folge der düsteren Konjunkturaussichten weltweit. Da kurzfristig kein Lichtblick erkennbar sei, rechnet das Kieler Institut weiterhin mit niedrigen Ölpreisen.

Denn nach Nordamerika und Europa beginnt jetzt auch das Wachstum in China wegzubrechen – in China war die Ölnachfrage in den vergangenen Jahren weltweit am stärksten gewachsen. Die maßgeblichen Organisationen – von der Opec über die Internationale Energie-Agentur (IEA) bis zum US-Energieministerium – sind sich inzwischen sicher, dass die Öl-Nachfrage 2008 zum ersten Mal seit 25 Jahren geschrumpft ist und auch 2009 weiter sinken wird.

Analysten in London rechnen daher damit, dass auch eine deutliche neuerliche Kürzung der Fördermenge nichts an der negativen Stimmung an den Ölmärkten ändern werde. Der Ölpreis könne kurzfristig noch einmal die Marke von 40 Dollar testen. Die meisten Analysten erwarten, dass die Talsohle im Laufe des kommenden Jahres erreicht wird. Manche sehen sie bei 30 bis 35 Dollar, andere sagen einen Rutsch bis auf 25 Dollar voraus. Die Opec strebt einen Preis von 75 Dollar an. Bei diesem Preisniveau wäre der größte Teil der neuen Ölprojekte profitabel. Sobald der Markt die Zuversicht gewinne, dass die Rezession überstanden sei, könne der Ölpreis wieder nach oben schießen, erwarten Analysten.

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