Geldschein-Verbot
Wo der „Krieg gegen das Bargeld“ tobt

In vielen Ländern können die Bürger nicht mehr überall bar bezahlen. Jetzt will Dänemark dem Handel erlauben, Geldscheine abzulehnen. Was hinter den weltweiten Verboten von cash money steckt.
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Eigentlich ist die Sache eindeutig. Paragraf 128 des EU-Vertrags legt fest, dass die von der Europäischen Zentralbank und den nationalen Zentralbanken ausgegebenen Banknoten die einzigen sind, die in der Union als „gesetzliches Zahlungsmittel“ gelten. Mit einem gesetzlichen Zahlungsmittel kann man immer zahlen - es sei denn, dass vertraglich ein anderes Zahlungsmittel vereinbart wurde.

Cash is king? Trotz dieser rechtlich garantierten Stellung der vom Staat herausgegebenen Banknoten führen die Regierungen vieler EU-Staaten eine Kampagne zur Verdrängung des Bargelds. Sie wird in staatskritisch-libertären Kreisen als „Krieg gegen das Bargeld“ gegeißelt.

Einen spektakulären Schritt in Richtung bargeldlose Zukunft erwägt die dänische Regierung. Sie hat ausgerechnet in ein Regierungsprogramm zur Konjunkturankurbelung den Plan geschrieben, für kleine Geschäfte, Tankstellen und Restaurants den bisherigen gesetzlichen Annahmezwang für Bargeld aufzuheben. Begründet wird das mit den Kosten, die das Zählen und Bearbeiten des Bargelds mit sich bringt. In den nordischen Ländern hat das elektronische Bezahlen das Zahlen mit Bargeld bereits weitgehend verdrängt.

Cash is king?

Die romanischen Länder Europas gehen seit einigen Jahren mit dem Ziel der Eindämmung der Schattenwirtschaft und der Steuerhinterziehung einen anderen Weg, Bargeld zurückzudrängen. Sie verbieten das Bezahlen größerer und inzwischen schon mittlerer Rechnungen mit Scheinen. So plant die französische Regierung für Inländer die Grenze von 1.500 Euro auf 1.000 Euro zu senken, ab der man nicht mehr bar bezahlen darf.

In Italien gilt diese Obergrenze für Barzahlungen bereits seit Ende 2011. Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi, der wenige Wochen vorher zurückgetreten war, sprach damals von „der realen Gefahr, die Grenze zum Fiskal-Polizeistaat zu überschreiten“.

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Cash-Obergrenzen in Griechenland

Kommentare zu " Geldschein-Verbot: Wo der „Krieg gegen das Bargeld“ tobt"

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  • Wie soll man einem Strassenmusiker der einem gefällt einen 10er in das Gitarrencase werfen, wie soll man den Bekannten mit einem 20er zum Kiosk entsenden um eine Besorgung abzuholen? Ich würde weder eine Geldkarte noch ein Händie zur Bezahlung ausleihen.
    Wie kann man sich bei nichtgedeckter EC-Karte/Kreditkarte bzw. mit gesperrtem Händie vom Nachbarn oder Partner Geld für eine wichtige Besorgung ausleihen?
    Ohne Bargeld wäre es ein Einfaches bestimmte unliebsame Personen komplett von der Gesellschaft zu isolieren.

  • Fiskaler Polizeistaat, hat Berlusconi das ganz richtig genannt.
    Aber:
    Unsere allseits beliebte Fatima Merkel würde das als alternativlose Maßnahme zur Kostenersparnis bezeichnen, und ihre Schoßhündchen der Partei und Fraktion würden brav mit dem Köpfchen nicken. Und 80% der braven Deutschen würden katzbuckeln und sie gleich in der Beliebtheitsskala der gleichgeschalteten zwangsfinanzierten Fernsehanstalten noch einen Rang weiter hochschieben.
    Paradoxie Made in Germany 2015.

  • Herr Joly Joker bringt es gewissermaßen auf den Punkt. Sollte diese Tendenz sich weiter und auch in Deutschland ausbreiten, dann wird klar, dass der Staat (Was ist das? Staat ist das Machtmittel der die Gesellschaft dominierenden Klasse. Demzufolge des Kapitals und seiner Eigner, Manager und Lobbyisten... Der "Überstaat" ist dann folgend die EU.) die Absicht hat, die Geldvermögen (wenn man sie denn so nennen mag) der "kleinen Leute" inklusive der "Mittelklasse" zu kontrollieren und sie systematisch auf ein Minimum bzw. in den Umlauf zurückzuführen. Gleichzeitig kann ja auch ein tolles Bewegungsprofil anhand irgendwelcher Kartenzahlungen erstellt werden. Auch Marketingmaßnahmen sind personalisiert ableitbar. Das alles muss aber nun mal eine Grenze haben. Man kann nur hoffen, dass auch in Dänemark Verbraucherorganisationen klagen werden, denn in der Tat: Gesetzliche (!!) Zahlungsmittel sind in welcher Höhe immer anzunehmen. Ansonsten gehe ich eben zur Konkurrenz, die das macht (sollten sich alle verweigern, erscheint das wie eine "Syndikalisierung")."Kampf gegen Bargeld" hat nur wenig mit "Sicherheit der Zahlungen" zu tun; es sind solche "Vorschriften" Ausflüchte und Versuche, die Kontrolle des Individuums noch weiter zu "verbessern"...

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