Goldpreis
Die Rückkehr der Angstkäufer

Brexit, wankendes Weltwachstum und eine zögerliche Fed verunsichern die Anleger. Von der Nervosität an den Märkten profitiert Gold – und steigt auf den höchsten Wert seit August 2014.

Frankfurt am MainEs ist noch gar nicht so lange her, da unterboten sich die Banken geradezu mit ihren Prognosen für Gold. Ende 2015 sahen Goldman Sachs und Société Générale die Preise unter 1.000 Dollar purzeln. Die Aussicht auf eine straffere Zinspolitik der Fed hat die Analysten geradezu angestachelt. „Gold wird ein Opfer werden“, sagte damals Alain Bokobza, Leiter der globalen Asset-Allokation bei Société Générale.

Ein halbes Jahr später wissen wir: Nichts von dem ist eingetreten. Am Mittwoch kletterte der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) Gold erstmals seit zwei Jahren wieder über 1.300 Dollar. Seit Jahresbeginn stieg der Wert von Gold damit um ein Viertel. Auch Silber wird verstärkt nachgefragt. Seit Jahresbeginn stieg sein Preis um 29 Prozent auf knapp 18 Dollar je Feinunze. Damit machen Edelmetalle – und allen voran Gold – ihrem Ruf als „Krisenwährung“ einmal mehr alle Ehre. Die Angstkäufer sind zurück.

Zugegeben: Die Krisen an den Finanzmärkten waren nie wirklich weg. Doch 2016 verschärfen sie sich. Das wird kurz vor dem Brexit eindeutig. Der Risikomodellierer Axioma schätzt, dass europäische Aktien bei einem Austritt Großbritanniens aus der EU rund ein Viertel ihres Wertes verlieren könnten. „Investoren suchen wegen der Furcht vor einem Brexit sichere Häfen und werfen Rohstoffe aus ihren Depots“, sagte Rohstoffspezialist Daniel Hynes von der australisch-neuseeländischen Bank ANZ.

Schon jetzt lässt die Angst der Anleger vor diesem Szenario aus Aktien flüchten. Der Dax verlor seit vergangenem Mittwoch 6,7 Prozent, der Euro Stoxx 7,2 Prozent und der britische Leitindex FTSE 100 rund sechs Prozent. Gleichzeitig verteuerte sich der Goldpreis mehr als 60 Dollar – knapp fünf Prozent.

Wenngleich das Brexit-Referendum das vorherrschende Thema ist. Gestützt wird die Unsicherheit der Anleger auch aus anderer Warte: Die Weltbank kappte jüngst ihre Prognose für das Weltwachstum von 2,9 auf nur noch 2,4 Prozent. Trotz niedriger Rohstoffpreise seien die Wachstumschancen in den Industrieländern geschrumpft. Das wiederum verschlechtere die Entwicklungsaussichten der Schwellen- und Entwicklungsländer.

Nicht zuletzt profitiert Gold von der Unentschlossenheit der US-Notenbank Fed. Weil Gold keine Zinsen und Dividenden abwirft, gilt das Edelmetall als alternative Anlage. Stiegen in der Vergangenheit jedoch die Zinsen im Währungsraum des Dollar, hatte dies die Attraktivität von Anleihen oder Währungsanlagen wie den US-Dollar gesteigert – die von Gold hingegen gemindert.

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