Händler erwarten weitere Abwertung des Dollars
Euro setzt neue Rekordmarke

Die europäische Gemeinschaftswährung hat am Mittwoch einen neuen Rekordstand erreicht. Der Eurokurs kletterte wegen anhaltender Sorgen um den Zustand der US-Wirtschaft über die psychologisch wichtige Marke von 1,30 Dollar. Unterdessen stieg auch der Goldpreis weiter auf ein neues 16-Jahres-Hoch.

HB FRANKFURT. Die Gemeinschaftswährung stieg am Vormittag bis auf 1,3046 $ und übertraf die vor einer Woche aufgestellte alte Rekordmarke von 1,3005 Dollar deutlich. Ein Dollar war damit 0,7666 € wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,2971 (Montag: 1,2955) Dollar festgesetzt. Nach Erreichen der Spitze gab der Euro wieder etwas auf 1,3033 Dollar nach.

Nach dem Überschreiten der Marke von 1,3010 Dollar sei der Weg nach oben frei geworden, sagte Devisenhändler Jan Koczwara von der Helaba. Marktteilnehmer, die zuvor auf einen schwächeren Euro gesetzt hätten, seien zu Nachkäufen gezwungen gewesen. „Das hat die Reaktion beschleunigt und den Euro deutlich steigen lassen“, sagte der Experte. Als weiteren Grund für den Rekord nannte Koczwara die Dollar-Abwertung in Japan. Dort rutschte der Greenback unter die Marke von 105 Yen. Dadurch sei der Dollar auch gegenüber dem Euro abgewertet worden.

Der Aufwärtstrend dürfte sich Experten zufolge in den kommenden Tagen fortsetzen. Die US-Regierung habe kein Interesse, der Dollarschwäche zu begegnen, sagte Analyst Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Helaba-Händler Koczwara sieht den Euro bis Jahresende bei 1,32 bis 1,33 Dollar und in den Monaten danach sogar bei 1,35 Dollar. Ursache für die Dollar-Schwäche ist das riesige Doppeldefizit der USA in Staatshaushalt und Leistungsbilanz. Zweifel an dessen Finanzierbarkeit hatten den Dollar in den vergangenen Wochen unter Druck gesetzt. Ein schwacher Dollar verbilligt die US-Exporte und verteuert die Einfuhren in die Vereinigten Staaten. Dadurch kann das Defizit in der Außenhandelsbilanz eingedämmt werden.

Das Bekenntnis des amerikanischen Finanzministers John Snow zu einem starken Dollar halten Experten deshalb für ein Lippenbekenntnis. „Den USA kommt eine schwache Währung gelegen“, sagte Koczwara. Er erwarte daher beim Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der 20 größten Industriestaaten (G20) am Wochenende in Berlin keine Impulse, da die Interessen zu unterschiedlich seien.

Ein teurer Euro gefährdet vor allem die exportabhängige Konjunkturerholung in Deutschland. Die fünf „Wirtschaftsweisen“ rechnen 2005 mit einem Wirtschaftswachstum von 1,4 % und unterstellen dabei einen Eurokurs von 1,27 Dollar. Eine Aufwertung habe „einen signifikant negativen Effekt auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland“, heißt es im Gutachten des Sachverständigenrates.

Die Feinunze Gold legt am Mittwoch ebenfalls weiter zu. Sie kostet zum Fixing am Vormittag in London bei 444,50 Dollar nach einem Nachmittags-Fixing bei 439,40 Dollar am Vortag. Die Feinunze notiert damit auf einem neuen 16-Jahres-Hoch. Das Gold profitiere einmal mehr von dem weiter schwächelnden Dollar, heißt es. Händler sehen angesichts der großen Long-Positionen von Spekulanten als nächstes Kursziel 445/446 Dollar je Feinunze. Viele sind aber wegen möglicher Gewinnmitnahmen auch vorsichtig. Eine wichtige Unterstützung liegt bei 430 Dollar.

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