Hans Redeker im Interview
„Die Zentralbank muss zu allem bereit sein“

Wie wird Japan mit seinen Schulden fertig? Mit noch mehr Schulden, meint Hans Redeker von Morgan Stanley. Um eine Pleite zu verhindern, müsse die Notenbank „unendlich“ viel Geld drucken. Die EZB könne so etwas nicht.
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Herr Redeker, Japan will mit neuen Schulden und mit Geld aus der Notenpresse endlich aus der Krise Kommen? Kann das funktionieren?
Japan hat keine andere Wahl. Wenn man nichts getan hätte, hätte das Land seine Schulden nicht mehr lange bezahlen können.

Japan ist extrem hoch verschuldet. Doch bisher hat das Land seine Anleihen immer bedient.
Das ging nur deshalb gut, weil sich Japan bei den eigenen Bürgern und den eigenen Banken verschulden konnte. Doch das funktioniert nicht mehr.

Warum?
Die Bürger haben dem Staat seit Jahrzehnten ihr überschüssiges Geld geliehen. Sie haben ihre Ersparnisse bei den heimischen Banken und Versicherungen angelegt, die die Verzinsung durch den Kauf von japanischen Staatsanleihen erwirtschafteten. Doch etwas Entscheidendes hat sich geändert: Japan steuerte im vergangenen November erstmals auf Leistungsbilanzdefizit zu. Damit wäre man auf Kapital aus dem Ausland angewiesen gewesen.

Wie wäre es mit Sparen?
Jede Form der Sparpolitik würde dazu führen, dass das Bruttoinlandsprodukt drastisch zurückgeht. Das kann es doch auch nicht sein.

Jetzt macht das Land noch mehr Schulden, finanziert durch die Notenbank. Ist das nicht riskant?
Es geht darum, eine Initialzündung zu schaffen. Das geht kurzfristig nur über Ausgaben. Langfristig müssen natürlich grundlegende Reformen hinzukommen, die den Staatshaushalt entlasten. Japan wird eine Pensionskürzung nach der anderen durchführen müssen. Ich will gar nicht bestreiten, dass das zu Ungerechtigkeiten führt. Wer auf eine staatliche Pension gesetzt hat, wird vermutlich verlieren. Aber das Geld ist leider schon ausgegeben.


Staatsfinanzierung durch die Notenbank kann es doch auch nicht sein.
Schauen Sie sich doch die neuen Realitäten an – was wäre die Alternative? Man kann sich auf einen konservativen Standpunkt stellen und eine unkonventionelle Geldpolitik ablehnen. Damit würde man die Wahl treffen, dass die überdimensionierte Verschuldung unserer Volkswirtschaften über Deflation abzubauen. Das ist genau das, was in den 1920er-Jahren passiert ist. Die Zentralbanken griffen nicht in die Krise ein, mit der Folge, dass weltweit ganze Volkswirtschaften zusammengebrochen sind. Das wird gerne vergessen. Heute gehen die Zentralbanken aggressiver vor, um so etwas wie damals zu verhindern.

Kommentare zu " Hans Redeker im Interview: „Die Zentralbank muss zu allem bereit sein“"

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  • Wenn so einfach wäre,Gelddrucken und dann wird alles gut....? Ist es aber nicht. Jede Währung hat einen inneren-und einen äußeren Wert.Nur wenn beide Komponenten übereinstimmen,geht so eine Politik der leichten Inflationierung auf.1923,1948 und 1990 stimmten sie bei uns nicht mehr überein,deshalb gab es in Deutschland auch Währungsreformen,1990 nur für die damalige DDR.
    Japan kann nur so lange drucken,wie der YEN sich einigermaßen stabil im Verhältnis zu anderen Währungen hält.Zu einer Megaabwertung mit verbundener Hyperinflation wie 1923 in Deutschland darf es aber nicht kommen.Das hätte dann auch für Japan eine Währungsreform zur Folge,mit schlimmen Folgen für Japans Binnenwirtschaft und vor allem für das Sparvermögen der Japaner selbst.

  • Rechner, jemandem wie Sie, der nichtmal lesen kann, steht es nicht zu, andere des Stussredens zu bezichtigen. Herr Redeker sah im HB-Interview den EURO zum Jahresende bei 1,05$

  • O-Ton Hans Redeker von Morgan Stanley
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    Wie wird Japan mit seinen Schulden fertig? Mit noch mehr Schulden, meint Hans Redeker von Morgan Stanley. Um eine Pleite zu verhindern, müsse die Notenbank „unendlich“ viel Geld drucken.
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    Sollte es sich etwa um den gleichen Herrn Redeker handeln, der am 23. Januar im Handelsblatt über die "massive Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar" phantasiert hat?

    http://www.handelsblatt.com/finanzen/rohstoffe-devisen/devisen/hans-redeker-im-interview-der-euro-wird-massiv-abwerten/7670316.html

    Von 1,33 auf 1,32 in 5 Monaten - das war die von Redeker prognostizierte "massive Abwertung".

    Selten so gelacht.

    +++

    O-Ton Hans Redeker von Morgan Stanley
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    Japan steuerte im vergangenen November erstmals auf Leistungsbilanzdefizit zu. Damit wäre man auf Kapital aus dem Ausland angewiesen gewesen.
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    Echt?

    Könnte Japan nicht erstmal einfach seine Guthaben und Investitionen im Ausland abbauen?

    Das waren Ende 2012 per saldo (net international investment position) 300 Billionen Yen - immerhin 2,3 Billionen Euro.

    Oder, falls Herrn Redeker nicht wissen sollte was eine Billion ist, 2.300 Milliarden Euro.

    ...

    Es ist nicht zu fassen was man für einen Stuß erzählen muß um bei Morgan Stanley einen Job zu bekommen.

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