Hurrikan-Saison droht
Experten prognostizieren neuen Benzinpreis-Rekord

Angesichts der Hurrikan-Saison in den USA halten Experten neue Rekorde bei Öl- und Benzinpreis für möglich.

HB BERLIN. „Die Nervosität am Ölmarkt ist sehr groß“, sagte Deka-Bank-Analystin Sandra Ebner. Dies habe der neue Preisrekord bei Rohöl infolge der Schließung des Ölfelds in Alaska gezeigt. „Das Problem ist, dass es eine von vielen schlechten Nachrichten in den vergangenen Wochen war“, erläuterte Ebner mit Blick auf den Krieg im Nahen Osten oder den Konflikt mit dem Iran. „In den nächsten Monaten gibt es zusätzliche Risiken wegen der Hurrikan-Saison.“

Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) betonte, dass die Risikoprämien wegen der Krisen Öl so teuer machten. Weitere Kapazitätsausfälle wie in Alaska zeichneten sich dagegen nicht ab. „Ich halte das für eine Ausnahme“, sagte Kemfert.

Wegen eines Lecks in einer Pipeline hatte der Ölkonzern BP die Förderung am größten Ölfeld der USA auf unbestimmte Zeit gestoppt. Der Preis für Brentöl war daraufhin auf über 78,5 Dollar je Barrel gestiegen und notierte am Dienstag knapp unter 78 Dollar.

Zumindest kurzfristig sieht Kemfert den Ölpreis wegen der vielen Krisenherde auf 85 Dollar je Barrel (159 Liter) zusteuern. Solche Preissprünge bekämen die deutschen Verbraucher auch schnell zu spüren. „Das schlägt alles direkt durch“, sagte sie. „Heizölkäufe sollte man besser Richtung Herbst verschieben, bis sich die Situation geklärt hat.“

Heino Elfert vom Energie Informationsdienst (EID) jedoch betonte, dass Benzin- und Dieselpreis noch nicht ganz die Höchststände von vergangenem Herbst erreicht haben. Nach dem Hurrikan „Katrina“ in den USA hatte Superbenzin in der Spitze 1,44 Euro, Diesel fast 1,20 Euro pro Liter gekostet. „Beim Benzin scheinen wir derzeit keine allzu große Knappheit zu haben“, sagte Elfert. So sei am Montag der Preis im Großhandel in Rotterdam gesunken. Allerdings könnte der Super-Preis in den kommenden Monaten neue Rekorde sogar bis 1,50 Euro erklimmen, falls etwa durch einen Hurrikan wie im vergangenen Jahr Raffinerien beeinträchtigt würden. Derzeit liegt der Preis im Schnitt noch unter 1,40 Euro.

Deka-Bank-Analystin Ebner betonte, dass die Öl-Preise bei guten Nachrichten auch schnell wieder sinken könnten. Zudem dürfte gegen Jahresende die weltweite Konjunkturabkühlung in den Blick rücken, was den Ölpreis generell drücken sollte. Ein zu knappes Angebot sei für den hohen Ölpreis derzeit aber nicht verantwortlich. „Die Lagerbestände sind nicht so schlecht. Momentan produziert jeder, was er kann.“ Längerfristig dürfte der immer größere Öldurst der aufstrebenden Länder aber die Nachfrage hoch halten, während das Öl-Angebot immer schwieriger aufrecht gehalten, geschweige denn ausgedehnt werden könne.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%