Internetwährung
Japan erwägt weltweit erste Bitcoin-Steuer

Die Pleite der Bitcoin-Börse Mt. Gox ruft die Gesetzgeber auf den Plan: Japan will staatliche Beschränkungen einführen, diskutiert wird auch eine Steuer. Derweil gibt es einen weiteren Firmenkollaps in der Branche.
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TokioNach der Pleite der Bitcoin-Börse Mt. Gox zeichnen sich staatliche Beschränkungen für die Internetwährung ab. Konsequenzen soll es schon bald in Japan geben, wo der einstmals weltgrößte Handelsplatz für Bitcoins zuletzt Insolvenz angemeldet hatte. Mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten am Mittwoch, die Regierung in Tokio wolle am Freitag entscheiden, wie die Cyber-Währung nach geltenden Gesetzen behandelt werden soll.

Diskutiert wird unter anderem eine Besteuerung von Transaktionen sowie ein besserer Verbraucherschutz. Verstärkt wird die Vertrauenskrise rund um Bitcoin durch einen weiteren Firmenkollaps in der Branche. Die in Kanada ansässige Bank Flexcoin stellte das Geschäft ein, weil Hacker ihr den kompletten Bestand an Bitcoins von umgerechnet 600.000 Dollar gestohlen hätten.

Denselben Grund hatte Mt. Gox genannt, als die Börse Ende vergangener Woche ihr Aus verkünden musste. Sie gab an, um Bitcoins und Barmittel im Wert von fast einer halben Milliarde Dollar gebracht worden zu sein. Der Fall war ein schwerer Schlag für die Internetwährung, die im vergangenen Jahr einen Siegeszug erlebte. Nach einer dramatischen Kurssteigerung sind die weltweit umlaufenden Bitcoins mittlerweile sieben Milliarden Dollar wert.

Für die Cyber-Währung steht keine Regierung oder Zentralbank ein, sie ist rein virtuell und kann an speziellen Börsen in reales Geld getauscht werden. Weil sie weitgehend unreguliert ist, zieht sie Kriminelle an. Zum Bitcoin-Diebstahl durch Internetgangster kommt der Gebrauch der Währung bei Geldwäsche, Schmiergeldzahlungen und dem Kauf unerlaubter Produkte.

Eine Aufsicht über Bitcoin-Geschäfte scheint schwierig, da die Transaktionen größtenteils anonym sind. Aber Japan sieht sich nun unter Zugzwang. „Irgendeine Regulierung ist nötig aus Sicht des Verbraucherschutzes“, sagte Takuya Hirai von der regierenden liberaldemokratischen Partei. Seinen Worten zufolge wird zudem die Einführung der weltweit ersten Bitcoin-Steuer erwogen.

Das Finanzministerium und die Finanzaufsicht haben bereits deutlich gemacht, dass sie Bitcoins nicht als echte Währung und sich daher als nicht zuständig betrachten. Den Insidern zufolge sollen Banken und Wertpapierhandelshäuser Bitcoins nicht als Bestandteil ihres Stammgeschäfts führen dürfen.

Das deutet darauf hin, dass die Cyber-Währung wohl eher wie ein Rohstoff behandelt wird, ähnlich wie etwa Gold. Japan will aber einen Alleingang vermeiden. Jede Regulierung sollte auf Basis einer internationalen Kooperation erfolgen, um Schlupflöcher auszuschließen, hatte der stellvertretende Finanzminister Jiro Aichi vergangene Woche gesagt.

Die Debatte wird auch in anderen Ländern geführt. US-Notenbankchefin Janet Yellen forderte zuletzt, der Kongress solle gesetzliche Beschränkungen für virtuelle Währungen prüfen. Die in Shanghai ansässige weltgrößte Bitcoin-Börse BTC China hat dem Handel bereits Schranken gesetzt, nachdem die heimischen Behörden Finanzinstituten entsprechende Geschäfte verboten hatten. Und Russland warnte, der Einsatz von Bitcoins als alternative Währung sei illegal.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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