Japanischer Yen
Investoren lösen Carry Trades auf

Der Anstieg des japanischen Yen kommt nicht ganz unerwartet - er läuft nur wesentlich schneller als befürchtet.

TOKIO. Devisenstrategen sprachen in den vergangenen drei Jahren von einer "Blase des billigen Yens", eine Multi-Milliardenblase. Anleger setzten auf die Fortsetzung des Abwertungs-Trends, obwohl längst absehbar war, dass er keine realwirtschaftliche Grundlage mehr hatte. Die zwischenzeitlichen Erfolge ermutigten noch mehr Menschen zum Einstieg.

Im Fall der japanischen Währung galt die Wette immer weiter fallenden Kursen. Beim so genannten "Carry Trade" nehmen Anleger in Japan einen Kredit auf und transferieren das Geld ins Ausland, wo mehr Rendite winkt. Das lohnt sich einerseits, weil die Zinsen in Japan niedrig sind und die Differenz zwischen den Sollzinsen und der Rendite des Investments als Gewinn herausspringt.

Der Carry Trade lohnt aber zusätzlich, weil der Wert des Investments mit dem der Fremdwährung steigt. Wenn beispielsweise der Neuseeland-Dollar gegen den Yen zulegt, während der Carry Trader sein Geld auf der Kiwi-Insel geparkt hat, macht er ein zusätzliches Plus. Zudem werden bei den Carry Trades Yen verkauft, was dessen Kurs weiter drückt.

Um wie viel Geld es tatsächlich geht, ist unklar: In der Statistik lassen sich diese Geschäfte nicht von Devisentransfers aus anderen Gründen trennen. "Es ist unmöglich, das Volumen der Carry Trades exakt zu beziffern", sagen Ökonomen von Barclays Capital. "Doch es sieht jetzt ganz so aus, als ob spekulative Carry Trades von nichtjapanischen Investoren einen größeren Anteil ausmachten als bisher gedacht." Das Muster der schnellen Yen-Aufwertung weise auf die Auflösung von Positionen hin.

Die ersten, die überhaupt am Carry Trade teilnahmen, waren große US-Hedge-Fonds. Doch die hohen Gewinnspannen lockten in den vergangenen zwei Jahren auch mehr und mehr Privatanleger in das Geschäft. Die japanischen Banken unterstützten das, indem sie konsumentengerechte Pakete schnürten. Immer mehr Kleinanleger und renditehungrige Geldmanager sprangen auf. Hausfrauen erzählten sich in Japan das Geheimnis des schnellen Geldes beim Friseur. Der Yen sank auf immer neue Tiefstände. Der Investor bekam in diesem Sommer für einen Euro noch fast 170 Yen. (Nun sind es noch knapp 115 Yen.)

Doch als sich Japan zunächst relativ Finanzkrisenfest gab und Kapital anzog, begann der Yen zu steigen. Erste Carry-Trader stiegen mit Verlust aus, später brach das ganze Gebäude zusammen. Seit in den vergangenen drei Tagen auch die letzten Spekulanten ausgestiegen sind, hat sich der Yen weiter kräftig erholt.

Am Dienstag stoppte der Yen, der gegenüber dem US-Dollar zeitweise ein 13-Jahres-Hoch erreicht hatte, zunächst seinen Anstieg. Der Höhenflug der japanischen Währung habe die Erwartungen einer Intervention der japanischen Notenbank verstärkt, sagten Händler. Entsprechend ging die Yen-Nachfrage zurück und einige Investoren realisierten ihre Gewinne der vergangenen Tage. Zum Yen gewann der Euro im asiatischen Handel rund zwei Prozent auf 117,70 Yen, der Dollar stieg ebenfalls um zwei Prozent und war für 94,50 Yen zu haben.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%