Kakao
Der Fluch der guten Ernte

Kaum zu glauben, aber wahr: Über die Hälfte des Weltangebots an Kakao stammt von der Elfenbeinküste und aus Ghana. Doch gerade die Konzentration des Anbaus auf wenige Gebiete macht den Rohstoff anfällig für Preisschwankungen. Nun sorgte ausgerechnet eine unerwartet gute Ernte für einen wahren Preissturz.

KAPSTADT. Am Kakaomarkt geht es nach einem mehrmonatigen Aufschwung nun steil bergab. Seit Jahresbeginn hatte der Preis der aromatischen Bohnen insgesamt 15 Prozent zugelegt; in den letzten vier Wochen hat er jedoch fast zehn Prozent wieder verloren. Zu Wochenbeginn wurde eine Tonne Kakaobohnen an der New Yorker Warenbörse Comex für 1 820 Dollar gehandelt. Noch Mitte Mai lag der Preis bei fast 2 000 Dollar.

Der Hauptgrund für den jüngsten Preisrückgang dürfte darin liegen, dass die Kakaoernten der beiden größten Produzenten, die Elfenbeinküste und Ghana, nach den jüngsten Regenfällen nun doch besser als erwartet ausfallen. Die Elfenbeinküste hat ihre Erntevorhersage gerade erst um fast vier Prozent auf 1,4 Mill. Tonnen erhöht. Auch in Ghana scheint der Ertrag fast an die Rekordernte des Vorjahres heranzureichen, als dort 740 000 Tonnen eingefahren wurden. Zuvor war der ghanaische Kakaoregulator Cocobod davon ausgegangen, dass die frühere britische Kolonie wegen unregelmäßiger Niederschläge nur rund 550 000 Tonnen ernten und damit beträchtlich unter den ursprünglichen Prognosen von 700 000 Tonnen bleiben würde.

Ghana und die Elfenbeinküste sind die weltweit mit Abstand größten Kakaoproduzenten. Zusammen liefern sie 60 Prozent des Weltangebots. Neben dem ungenügenden Regen hatte zu Jahresbeginn ein harscher Harmattan, ein Wüstenwind aus der angrenzenden Sahara, der diesjährigen Ernte in beiden Staaten vermeintlich größeren Schaden zugefügt. Auch Nigeria war davon betroffen. Der Kakao wird in der Region zwischen Oktober und Mai geerntet, wobei die Produktion für gewöhnlich ab Januar geringer wird. In diesem Jahr scheint jedoch das Gegenteil der Fall gewesen zu sein.

Die verbesserten Ernteprognosen erklären auch, weshalb die Rohstofffonds zuletzt eine Reihe spekulativer Anlagen bei Kakao aufgelöst haben. Allein im Verlauf der vergangenen Woche fielen die spekulativen Positionen um über sieben Prozent. Zuvor hatten die Hedge- und Indexfonds, die an der Comex inzwischen über ein Drittel aller Kontrakte halten, fast ausnahmslos auf weitere Preissteigerungen bei Kakao gesetzt. In diesem Prozess hatte der Preis des Rohstoffs, der zu fast 40 Prozent aus der Elfenbeinküste stammt, zwischenzeitlich 25 Prozent zugelegt und war mit 1 990 Dollar je Tonne im Mai auf den höchsten Stand in vier Jahren geklettert.

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