Knappe Bestände und hohe Nachfrage
Die Zeit billigen Kaffees ist vorbei

Die Verbraucher müssen sich auf deutlich höhere Kaffeepreise einstellen. Zwar stagniert der Konsum in wichtigen Verbraucherländern wie den USA, Deutschland und Japan, doch drängen neue Konsumenten auf den Markt. Schlechte Ernten verknappen zudem das Angebot aus den Produzentenländern. Experten rechnen daher tendenziell mit eher steigenden Notierungen bei Rohkaffee.

SAO PAULO. „Der Preis wird auf dem jetzigen Niveau fest bleiben“, sagt Winfried Tigges, Geschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbandes in Hamburg. Ein Grund hierfür seien erntebedingte Angebotsschwankungen. So liege die Ernte in Brasilien in diesem Jahr deutlich hinter den Erwartungen, doch werde die nächste Ernte erfahrungsgemäß wieder erheblich besser ausfallen. Auch Vietnam, der zweitgrößte Produzent weltweit, meldete kürzlich, dass der Kaffee-Ertrag wegen einer Dürre auf den niedrigsten Stand seit Jahren fallen wird.

Insgesamt verstärken die Ernteausfälle Tigges zufolge allerdings nur einen Gesamttrend. Am Kaffeemarkt klaffe insgesamt eine Angebotslücke. Dies liege auch daran, dass der „Eigenverbrauch in den Produzentenländern deutlich zugenommen hat“, sagt er. Noch vor wenigen Jahren sei Deutschland nach den USA das zweitgrößte Konsumentenland bei Kaffee gewesen. Heute liege Brasilien, das rund ein Drittel der Weltproduktion liefert, beim Verbrauch auf Platz zwei.

Die Knappheit am internationalen Kaffeemarkt wird zudem – wie an anderen Rohstoffmärkten auch – durch den immensen Rohstoffhunger Chinas verstärkt. Bisher war China ein Land der Teetrinker, doch gewinnt Kaffee dort immer mehr an Popularität. „Die Coffee-Shops haben den chinesischen Markt für sich entdeckt“, sagt Tigges. Gleichzeitig steigt auch der Konsum in Osteuropa und in den Öl exportierenden Staaten Afrikas stark an. Das haben brasilianische Kaffeehändler beobachtet. Sie rechnen daher bis zum Jahr 2008 mit steigenden Preisen.

Der chinesische Rohstoffbedarf treibt die Verbraucherpreise auch über eine andere Schiene. Die deutliche Verteuerung von Rohöl trifft die Kaffeeröstereien, die wegen ihres enormen Energieverbrauchs mit hohen Kosten kämpfen. Zudem sind laut Tigges die Seefrachten deutlich teurer geworden, und auch die Container-Kapazitäten sind knapp. Dies trifft auch die Konsumenten in Deutschland. Anfang des Jahres mussten nach Angaben des Kaffeeverbands für ein Pfund Kaffee durchschnittlich noch 2,90 Euro bezahlt werden, heute sind es rund 3,73 Euro. Im September kostete Kaffee sogar 3,86 Euro.

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