Kurz vor dem Rekordhoch
Preis für Brentöl verharrt auf hohem Niveau

Die Rohölpreise befinden sich kurz vor einem Rekordhoch. Die hohen Notierungen werden zurzeit durch gleich mehrere Faktoren gestützt: Unter anderem sorgt ein Bericht der Internationalen Energieagentur für Verunsicherung.

DÜSSELDORF. Am gestrigen Dienstag erreichte das für Europa ausschlaggebende Brentöl zeitweise den Preis von 77,80 Dollar je Barrel (159 Liter).Am Montag lag es noch bei rund 77,60 Dollar und damit nur etwa einen Dollar unter dem Allzeithoch von 78,63 Dollar.

Die hohen Ölnotierungen werden zurzeit durch gleich mehrere Faktoren gestützt: Ein Hauptgrund ist der Produktionsausfall in Nigeria. In dem westafrikanischen Land ist nach Anschlägen von Rebellen mit 800 000 Barrel am Tag fast ein Drittel der Ölförderung ausgefallen.

Zudem schüren die niedrigen Benzinlagerbestände in den USA Knappheitssorgen am Markt. Mit Spannung warten die Akteure daher heute auf die neuen US-Bestandsdaten.

Die Märkte zusätzlich verunsichert hat ein Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA). Die Pariser Agentur, die 1974 von den Industrieländern nach dem ersten Ölpreisschock gegründet wurde, hat vor einer Öl- und Gasknappheit in fünf Jahren gewarnt. Zur Begründung heißt es in dem Bericht, die Erdöl exportierenden Staaten (Opec) kämen bei ihrer Produktion nicht mit der steigenden Nachfrage mit. „Nicht nur der Ölmarkt wird in fünf Jahren extrem knapp, dies fällt mit dem noch geringeren Angebot an Gas zusammen“, so die IEA. Auch die Nicht-Opec-Länder könnten bis 2012 die Lücke nicht schließen. Die IEA prognostiziert einen Anstieg der Ölnachfrage um 2,2 Prozent im Jahr; im Februar war sie von zwei Prozent ausgegangen. Unterstellt wird dabei ein Weltwirtschaftswachstum von 4,5 Prozent.

Die Warnungen der IEA wurden zum Teil als drohende „Ölkrise“ etikettiert. Laut Dora Borbély kann davon aber keine Rede sein. Nach Beobachtung der Rohstoffexpertin der Dekabank hat die IEA ihre Warnung zwar „zugespitzter formuliert“ als bisher, es drohe aber keine Ölknappheit. Gleichwohl räumt sie ein: „Der Ölmarkt wird enger in den nächsten Jahren.“ Doch nach 2010 sei auch eine Entspannungsphase denkbar. Schließlich sei die aktuelle Marktenge eine Folge der Investitionslücke aus den 1980er-Jahren. Die inzwischen getätigten Investitionen sollten dann wirken und zu höheren Produktionskapazitäten führen.

Skeptischer ist Stefan Schilbe, Chefvolkswirt der Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt. Die Produktionsraten seien im Trend leicht gefallen. Man müsse nun die Frage stellen, „ob die Produktionshöhepunkte schon überschritten sind“. Zusammen mit robusten Aussichten für das Weltwirtschaftswachstum erwartet er längerfristig steigende Preise. Aktuell seien die Notierungen aber stark durch Spekulationen auf einen Preisanstieg getrieben. An den Terminmärkten gebe es „außerordentlich hohe Longpositionen“, sagt Schilbe. Kurzfristig sei „eine technische Gegenreaktion“ denkbar, die eine Preiskorrektur um fünf bis zehn Dollar beinhalten könnte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%