Nach Israels Angriffen im Libanon
Ölpreise klettern auf Rekordstände

Die Sorge vor geopolitischen Spannungen nach den jüngsten israelischen Luftangriffen im Libanon haben die Ölpreise am Donnerstag auf neue Rekordstände getrieben. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI kletterte in der Spitze bis auf 75,89 Dollar. Damit wurde die alte Rekordmarke vom vergangenen Freitag von 75,78 Dollar übertroffen.

dpa-afx NEW YORK/LONDON. Im späten Vormittagshandel stand der WTI-Preis bei 75,77 Dollar, das sind 82 Cent mehr als am Vortag. In den kommenden Wochen und Monaten gilt unter Rohstoffexperten ein Sprung über die Marke von 80 Dollar als nicht mehr ausgeschlossen.

Auch an der Rohstoffbörse in London erreichte der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent mit 75,60 Dollar einen neuen Rekordstand. Neben den israelischen Luftangriffen auf den Libanon belasten Händlern zufolge der schwelende Konflikt um das Atomprogramm des Iran und der Rückgang der Lagerbestände in den USA die Ölmärkte.

Mit der zunehmenden Sorge vor geopolitischen Risiken nach den israelischen Luftangriffen auf den Libanon "braucht es nicht mehr viel, um den Ölpreis über die Marke von 80 Dollar zu treiben", sagte Rohstoffexperte Andy Sommer von der HSH Nordbank. Die israelische Armee weitete am Donnerstagmorgen ihre Militäroperationen auf die libanesische Hauptstadt Beirut aus. Kampfflugzeuge griffen einen Vorort und den Internationalen Flughafen an. Mindestens 31 Libanesen seien bei den Luftangriffen getötet worden, teilte die Polizei mit.

Mit den israelischen Luftangriffen auf den Libanon ist das Risiko weiter steigender Preise an den Ölmärkten "spürbar gewachsen", sagte Rohstoffexpertin Barbara Lambrecht von der Commerzbank. Durch "die Summe der geopolitischen Risiken" wollte auch sie beim Preis für US-Öl der Sorte WTI einen kurzfristigen Sprung über die Marke von 80 Dollar nicht ausschließen.

Schon ein ungewöhnlich starker tropischer Wirbelsturm in den Ölfördergebieten im Golf von Mexiko könnte nach Einschätzung der HSH Nordbank ausreichen, um den Ölpreis über die Marke von 80 Dollar zu treiben. Allerdings dürfte die Aussicht auf eine Verhandlungslösung im Atomstreit mit dem Iran auch schnell wieder für eine Entspannung an den Ölmärkten sorgen. Der Iran ist der viertgrößte Ölförderstaat der Welt und steht seit Monaten in der Kritik wegen der umstrittenen Anreicherung von Uran, das auch für Atomwaffen verwendet werden kann.

Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ist wieder in die Nähe des Rekordhochs gestiegen. Am Mittwoch kostete ein Barrel (159 Liter) aus den Fördergebieten des Kartells 68,66 Dollar, teilte das Opec-Sekretariat am Donnerstag mit. Das waren 56 Cent mehr als ein Tag zuvor. Am vergangenen Freitag erreichte der Opec-Korbpreis den Rekordwert von 68,77 Dollar. Der Korbpreis ist der Durchschnittspreis für elf wichtige Sorten des Kartells.

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