Nach MSCI-Entscheidung
Yuan fällt auf niedrigsten Stand seit 2011

Chinas Aktien werden vorerst nicht in den MSCI-Index für Schwellenländer aufgenommen. Das wirkt sich auch auf den Yuan aus. Die Währung ist auf den tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren gegenüber dem Dollar gefallen.

PekingEs ist ein Rückschlag für Peking. Unter ihrem neuen Vorsitzenden Liu Shiyu versucht die Börsenaufsicht Chinas Aktienmärkte auf Weltniveau zu bringen. Die Aufnahme der Papiere in den Index-Anbieter MSCI in die Gruppe der Schwellenlandpapiere sollte der Ritterschlag werden. Doch MSCI lehnte den Schritt vorerst ab.
Der Kurs der chinesischen Währung fiel daraufhin auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren. An der Börse in Schanghai wurde für einen US-Dollar in der Spitze 6,6047 Yuan gezahlt - so viel wie zuletzt im Januar 2011.
Zwar habe China einige Fortschritte in der Regulierung seiner Aktienmärkte vorzuweisen, hob MSCI-Manager Remy Briand hervor. Aber Investoren seien weiterhin wegen deutlicher Einschränkungen besorgt. Das Börsendebüt dürften Unternehmen selbst nicht festlegen, sondern es würde von der Börsenaufsicht vorgegeben, kritisierte Briand und nannte weitere Einschränkungen für Anleger an Chinas Aktienmärkten.
Die Börsenaufsicht reagierte gelassen auf Mitteilung des MSCI. Es gebe weiteren Reformbedarf in China, räumte die Behörde am Mittwoch in einer Mitteilung ein. Der Weg zu einer weiteren Öffnung des Aktienmarktes werde fortgesetzt.

Die Börsen in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt gelten nach wie vor als verzerrt. Deshalb begrüßten internationale Analysten die MSCI-Entscheidung. „Aus Sicht globaler Investoren ergibt die Entscheidung jedoch durchaus Sinn – sie können eigentlich nur in Märkten mit unbeschränktem Marktzugang investieren“, schrieb Commerzbank-Analyst Hao Zhou. „Die Entscheidung unterstreicht den Widerstand globaler Anleger, in Yuan-Anlagen zu gehen”, sagte Peter Alexander, Chef des Anlageberaters Z-Ben Advisors in Shanghai, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Seit dem Einbruch an Chinas Börsen vergangenen Sommer habe der Aktienindex rund 50 Prozent an Wert verloren, hob Hao Zhou hervor. „Das Transaktionsvolumen beträgt nur noch 10 Prozent des Höchstwertes, was zeigt, wie spekulativ der Markt ist.“
Die Indizes in China fielen nach der MSCI-Entscheidung zunächst, schlossen letztlich jedoch deutlich im Plus. Der Shanghai Composite Index verbucht einen Tagesanstieg von 1,6 Prozent, das größte Plus innerhalb von zwei Wochen. Analysten vermuteten einen Eingriff, hinter den plötzlichen Aufwind an den Aktienmärkten. „Es ist eine scharfe Wendung. Das ist ein deutliches Hinweis, dass es einen Eingriff der Regierung gab“, kommentierte Francis Lun von Geo Securities in Hongkong gegenüber Bloomberg.

Im Schwellenlandindex von MSCI werden Papiere im Wert von 1,5 Billionen Dollar gelistet. Eine Aufnahme könne mehr Investorengelder nach China spülen. Nach Schätzungen könnte das innerhalb eines Jahrzehnts etwa 400 Milliarden Dollar zusätzliches Kapital für Chinas gelistete Firmen bedeuten. Denn es geht bei der Entscheidung nicht nur um Investorengelder aus dem Index. Sondern auch andere Anleger orientieren sich bei ihren Entscheidungen am MSCI.
Mit dem Entschluss weist MSCI Chinas Aktien zurück auf die Wartebank. Seit Jahren erwägt der Index-Anbieter „Klasse A”-Aktien, die an den Börsen auf dem chinesischen Festland gehandelt werden, in den Schwellenländer-Index aufzunehmen. Mit dem Schritt will MSCI der wachsenden Bedeutung des dortigen Aktienmarktes Rechnung tragen.

Stephan Scheuer ist China-Korrespondent des Handelsblatts. Quelle: Mirela Hadzic für Handelsblatt
Stephan Scheuer
Handelsblatt / Korrespondent China
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