Nach Opec-Treffen
Ölpreise stoppen Talfahrt – vorerst

Die Verlängerung der Förderbremse von Opec- und Nicht-Opec-Ländern wirbelt den Ölmarkt durcheinander. Erst reagierten die Börsianer enttäuscht, die Fasspreise schmierten ab. Am Freitag aber können sie sich fangen.
  • 0

New York/LondonDie Ölpreise haben am Freitag ihren Absturz stoppen können. Nach einem tiefroten Donnerstag mit Fünf-Prozent-Minus stiegen die Fasspreise am Vormittag. Im morgendlichen Handel waren sie noch weiter gefallen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kletterte um ein Prozent auf 51,83 Dollar, die US-Sorte Texas Intermediate (WTI) verteuerte sich um 0,9 Prozent auf 49,15 Dollar pro Fass. Die Ölpreise waren am Vortag stark unter Druck geraten. Die Ölminister der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hatten zwar ein seit Januar geltendes Produktionslimit um neun Monate bis zum März 2018 erwartungsgemäß verlängert.

Die Märkte schienen aber doch etwas enttäuscht, begründete Jan Edelmann, Analyst bei der HSH Nordbank, die Kursverluste. Einige hätten offenbar noch mit etwas mehr gerechnet. Die Opec-Vertreter zeigten sich jedoch zufrieden mit dem Ergebnis. „Neun Monate sind das Optimum“, sagte Saudi-Arabiens Energieminister Khalid Al-Falih. Ziel der Maßnahme ist es, den Ölpreis zumindest zu stabilisieren.

Bereits am Donnerstag waren die Preise deutlich eingebrochen. Der Preis der Nordsee-Ölsorte Brent fiel um rund fünf Prozent auf 51,83 Dollar, das Fass WTI-Öl verbilligte sich entsprechend. Zu der Marktreaktion sagte der saudische Ölminister, dass er sich nicht um tagesaktuelle Entwicklung kümmere. Die beschlossene Kürzung um 1,8 Million Fass pro Tag entspricht rund zwei Prozent der weltweiten Ölförderung. Libyen und Nigeria sind von der Verlängerung des Förderlimits wie bereits beim erstmaligen Opec-Beschluss im November 2016 ausgenommen.

Die Verlängerung des Förderlimits um neun Monate richtet sich insbesondere gegen die amerikanischen Schieferölproduzenten. Nach Meinung von Experten hat die Opec die Marktmacht des nordamerikanischen Schieferöls unterschätzt. „Die amerikanische Schieferölproduktion zeigt sich noch preisflexibler als erwartet“, bilanziert Analyst Axel Herlinghaus von der DZ Bank. Er sieht die Fortsetzung der Förderkürzung nicht als Beweis der Macht der Opec, sondern als „Zeichen der Geschlossenheit“.

Die Zusammenarbeit zwischen der Opec und elf Nicht-Opec-Ländern soll in Zukunft institutionalisiert werden, kündigte Al-Falih am Donnerstagabend in Wien an. Genauere Angaben machte er aber nicht.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

Kommentare zu " Nach Opec-Treffen: Ölpreise stoppen Talfahrt – vorerst"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%