Öl, Benzin, Zertifikate
Wie wir vom Ölpreis-Absturz profitieren

Minus 20 Prozent seit Jahresbeginn, jetzt nicht mehr nur in den USA sogar unter 30 Dollar je Fass – der Crash bei den Ölpreisen ist erstaunlich wie andauernd. Während die Produzenten leiden, freuen sich die Verbraucher.
  • 24

FrankfurtAuf dem Heizölmarkt ist derzeit die Hölle los. Im deutschlandweitem Schnitt gibt es 100 Liter derzeit für weniger als 40 Euro. Ein Zwölfjahrestief, wie eine Sprecherin des Vergleichsportals Heizöl24 erklärt. Wer günstig kaufen möchte, muss sich gedulden. Wegen der hohen Nachfrage avisieren Händler Lieferzeiten von 30 Tagen und mehr. Wer früher an den Brennstoff möchte, muss mit üppigen Preisaufschlägen rechnen.

Wenn es überhaupt noch etwas gibt. „Alle wissen, dass Öl jetzt günstig ist und möchten jetzt kaufen“, sagt eine Sprecherin von Heizöl 24. „Kunden sollten frühzeitig bestellen, schon bevor das Öl im Tank zur Neige geht.“ Sonst drohen kalte Räume und eisige Duschen. „Im Rheinland gibt es eine Tankstelle, die Heizöl zu deutlich mehr als einem Euro verkauft“, sagt ein Heizungs-Techniker, der nicht genannt werden möchte. Das ist teurer als Diesel. Eingeweihte sprechen vom „Idiotenzappes“. „Der Umsatz dort floriert, weil kurzfristige Öllieferungen derzeit kaum möglich sind“, erklärt der Installateur.

Seit Mitte 2014 fallen die Ölpreise schon. Nach dem Jahreswechsel hat sich die Situation verschärft – und die Märkte spielen verrückt. Am Dienstag ging es bei der Nordsee-Sorte Brent um bis zu 3,5 Prozent auf 30,43 Dollar je Barrel herunter. Das war der tiefste Stand seit April 2004. Seit Jahresbeginn summierte sich der Preisrückgang auf fast 20 Prozent. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI sank am Dienstagabend kurzzeitig sogar unter 30 Dollar.

Die Analysten senken reihenweise ihre Prognosen. Goldman Sachs und J.P. Morgan sehen ein Abwärtspotenzial bis auf 20 Euro. Standard Chartered hält sogar einen Rückgang auf zehn Dollar für möglich. So viel kostete Brent zuletzt Ende der 90er Jahre. Noch im Sommer 2014 notierte Brent bei 115 Dollar. Die Überproduktion trifft auf eine schwache Nachfrage wegen mauer Konjunktur – so einfach lässt sich der Preisverfall erklären.

Im Dezember 2015 verzichtete die Opec bei ihrem letzten Treffen in Wien darauf, die Fördermenge zu begrenzen. Zur Stützung der Preise stellt der Ölminister Nigerias, Emmanuel Kachikwu, nun ein Treffen der Opec für Anfang März in Aussicht. In Indien ist Rohöl inzwischen billiger als Mineralwasser. Ein Barrel des Rohstoffs kostete nach einem Medienbericht dort zuletzt 29,24 US-Dollar, also etwa 17 Euro-Cent pro Liter. Eine günstige Flasche Mineralwasser hingegen koste 15 Rupien (21 Euro-Cent).

Kommentare zu " Öl, Benzin, Zertifikate: Wie wir vom Ölpreis-Absturz profitieren"

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  • @ Hofmann

    es ist bewundernwert, dass Sie "Noack" versuchen die Zusammenhänge zu erklären.

    Aber ob das was bringt...????...er kauft das Haus mit Finanzierung zur falschen Zeit...kauft Öl,obwohl es gerade erst anfängt zu fallen....hat kein Händchen für die Wirtschaft

  • @ Noack

    - Ihren Kredit zur falschen Zeit aufgenommen

    - Ihren Öltank zur falschen Zeit aufgefüllt.....

    Was haben Sie denn für ein Timing? Machen Sie auch etwas richtig?
    Was sagt ihre Frau dazu? Oder auch da falsches Timing? Mal zu früh nach Hause gekommen.....

  • Eieiei, da hat aber jemand ne Menge Frust.

    Also freue mich wie bolle für unter 1,- Euro Diesel zu tanken

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