Öl stieg auf über 100 Dollar
Experten erhöhen Prognosen für Ölpreis

Trotz der Prognosen über ein schwächeres Nachfragewachstum für Rohöl und der sich abzeichnenden Abschwächung der US-Wirtschaft ist der Ölpreis auf ein neues Rekordniveau gestiegen. Grund dafür dürften die Spannungen zwischen den USA und Venezuela sein.

HB FRANKFURT. Der US-Ölpreis hat sich am Mittwoch wieder von seinem am Vortag erreichten Rekordstand entfernt. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im April kostete im frühen Handel 99,02 US-Dollar. Das waren 68 Cent weniger als zum Handelsschluss am Vortag.

Am Dienstagabend war der März-Kontrakt des WTI-Future, der am gestrigen Tag auslief, zeitweise über 100 Dollar auf einen historischen Höchststand von 100,10 Dollar gestiegen. Als Hauptgrund für die neuerliche Rekordjagd gilt vor allem eine mögliche Kürzung der offiziellen Förderquoten seitens der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) auf ihrer nächsten Sitzung am 5. März in Wien.

Die von der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires befragten Ökonomen erhöhten ihre Ölpreisprognosen der Nordseesorte Brent für das erste und zweite Quartal auf 89,00 (Januar-Umfrage: 86,00) Dollar bzw. auf 82,90 (80,00) Dolar je Barrel. Für die in Nordamerika besonders wichtige Sorte West Texas Intermediate (WTI) kletterten die Prognosen auf 89,20 (87,00) bzw. 81,30 (81,00) Dollar je Barrel. Wegen einer Abwärtsrevision der Prognosen für die folgenden beiden Quartale blieben die durchschnittlichen Schätzungen der 32 befragten Ökonomen für das Gesamtjahr 2008 für Brent mit 82,20 Dollar je Barrel und für WTI mit 82,00 Dollar je Barrel nahezu unverändert.

Gestützt wird der Ölpreis vom Streit zwischen dem Ölkonzern Exxon Mobil und dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez wegen der Verstaatlichung der Ölaktivitäten in dem lateinamerikanischen Land und damit einhergehender Entschädigungsforderungen des Ölkonzerns. Diese Differenzen führten dazu, dass Chavez den USA mit einem Lieferstopp seines Öls androhte.

Ölmarktexperten halten das gegenwärtige Ölpreisniveau fundamental betrachtet nach wie vor für zu hoch. „Ich glaube nicht, dass der erneute Sprung über die 100-Dollar-Marke voll gerechtfertigt ist“, sagte Darius Analyst Kowalczyk von CFC Seymour Securities.

Für eine anhaltende Korrektur des Ölpreises spreche die zu erwartende Abschwächung der Weltwirtschaft und die damit einhergehende geringere Nachfrage nach Rohöl. Darauf wiesen auch die jüngst verringerten Prognosen für das Ölnachfragewachstum der Internationalen Energieagentur (IEA) und der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hin, sagen die Experten.

Die IEA hatte in der vergangenen Woche ihre Prognose für das Ölnachfragewachstum 2008 auf plus 1,9 Prozent von zuvor plus 2,2 Prozent gesenkt und auf die eingetrübten Wachstumsaussichten in zahlreichen Industrieländern verwiesen. Am vergangenen Freitag nahm auch die OPEC ihre Prognose für das Wachstum der weltweiten Ölnachfrage leicht zurück.

Nach Einschätzung von Andy Sommer von der HSH Nordbank ist der gegenwärtige Ölpreis fundamental nicht gerechtfertigt. „Die Konjunkturdelle in den USA und saisonale Nachfrageschwächen bei steigendem Angebot sollten im ersten Halbjahr auf die Preise drücken“, erklärte Sommer. Eine Stabilisierung der Nachfrage dürfte im weiteren Jahresverlauf wieder zu Preissteigerungen führen.

„Der Rohölpreis ist weiterhin nach oben verzerrt“, sagte auch Dora Bobely von der DekaBank. Zum Ende des Winters dürfte der Ölpreis ihrer Einschätzung nach wieder auf den fundamental gerechtfertigten Preis von 75 bis 80 Dollar sinken. Da der Rohölmarkt insgesamt eng bleibe, erwartet sie mittelfristig wieder höhere Ölpreise.

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