Ölpreis
Brent und WTI auf Siebenjahrestief

Die Entscheidung der Opec, die Fördermengen für Erdöl vorerst nicht zu drosseln, hat die Preise auf Talfahrt geschickt. Für die Fracking-Branche wird das zur Bedrohung. Deutschland könnte profitieren.

New York/FrankfurtDie Ölpreise haben am Dienstag weiter nahe ihrer mehrjährigen Tiefstände vom Vortag notiert. Im frühen Handel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar 40,91 US-Dollar. Das waren 31 Cent mehr als am Vorabend, als der Preis den tiefsten Wert seit Februar 2009 erreicht hatte.

Der Preis für ein Fass der Sorte WTI stieg leicht auf 37,67 Dollar. Das waren 17 Cent mehr als beim Tiefstand vom Vortag. Auch beim WTI war der niedrigste Wert seit Februar 2009 erreicht worden.

Seit Freitag sinken die Ölpreise, nachdem die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) bekanntgegeben hatte, dass sie ihre Förderpolitik vorerst nicht verändern wird. Nach Einschätzung von Rohstoffexperten der Commerzbank ist der Rückgang der Ölpreise nach dem Opec-Treffen vom vergangenen Freitag nicht überraschend. Das Ölkartell hatte sich abermals nicht auf eine Kürzung oder Deckelung der Produktion einigen können, obwohl dies von einigen Mitgliedsländern gefordert worden war.

Leidtragende des anhaltend hohen Angebots und der niedrigen Preise sind vor allem die großen Förderunternehmen – allen voran Frackingfirmen. Bereits in diesem Jahr hat der Preisverfall am Ölmarkt der Förderindustrie einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Die Gewinne der Ölmultis wie Shell, BP und Exxon brachen ein, noch heftiger traf es die Fracking-Firmen und ihre Zulieferer in den USA. Dennoch schlug sich die Branche besser als erwartet - die von Analysten prognostizierte Pleitewelle blieb bislang aus.

Die Aussicht auf 2016 macht den Unternehmen allerdings wenig Mut. Experten gehen davon aus, dass die Leidenszeit andauern wird. „Die Stimmung am Markt hat erneut zum maximalen Pessimismus gedreht – die Rede ist wieder vom 20-Dollar-Ölpreis“, heißt es im Ausblick des Analysehauses Energy Aspects.

Hauptgrund für den Preisverfall ist die massive Überversorgung der Weltwirtschaft. Das Opec-Ölkartell mit Saudi-Arabien an der Spitze und die US-Fracking-Industrie pumpen im Kampf um Marktanteile um die Wette. Die Opec wird – so machten ihre Ölminister in einer Sitzung am vergangenen Freitag klar – zunächst an der Förderpolitik festhalten. Nicht ganz so tief sieht die Weltbank den Ölpreis im kommenden Jahr. Sie prognostiziert für 2016 einen durchschnittlichen Preis von 51 Dollar pro Barrel. Damit würde er einen Dollar unter dem erwarteten Durchschnittspreis für 2015 liegen.

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