Ölpreis
Deutschland will Ölreserven nicht anzapfen

Frankreich, Großbritannien und die USA wollen den Ölpreis drücken. Nach einem Zeitungsbericht planen sie die Freigabe strategischer Ölreserven. Deutschland will sich nicht beteiligen. Die Gerüchte bewegen den Ölpreis.
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ParisSpekulationen auf eine Freigabe der strategischen Ölreserven haben den Ölpreis am Mittwoch sinken lassen. Ein Fass des europäischen Brent-Öls verbilligte sich um 1,18 Dollar auf 124,36 Dollar. Die US-Sorte WTI kostete 106,57 Dollar und damit 76 Cent weniger als im späten Vortagesgeschäft.

Ein Bericht der französischen Tageszeitung „Le Monde“ hatte die Gerüchteküche angeheizt, die drei Länder sprächen über dieses Thema. Die Freigabe sei aber eher eine Sache von Wochen als von Tagen, schrieb die Zeitung unter Berufung auf das Umfeld von Präsident Nicolas Sarkozy weiter. Der französischen Energieministers Eric Besson erklärte, sein Land sei von den USA zu diesem Thema kontaktiert worden. Frankreich begrüße diesen Schritt.

Deutschland will seine strategischen Ölreserven nach den Worten von Wirtschaftsminister Philipp Rösler nicht einsetzen. „Die nationalen Ölreserven können nur freigegeben werden bei einem echten physischen Mangel“, sagte Rösler am Mittwoch in Berlin: Sie seien damit ausdrücklich kein Mittel der Preisstabilisierung. Dies sei nicht nur die Lesart der Bundesregierung, sondern Gesetzeslage. Unterstützung erhielt Rösler von seinem Amtsvorgänger, FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle. Die Reserven könnten genutzt werden, wenn es zu extremen Situationen komme. Dieser Zeitpunk sei noch nicht erreicht, sagte er in Berlin. Rösler wollte trotz wiederholter Nachfrage nicht sagen, ob Deutschland von den USA wegen einer möglichen Freigabe der nationalen Ölreserven angesprochen wurden.

Investoren fürchten, dass die wegen des iranischen Nuklearprogramms auferlegten Embargos die Ölversorgung gefährden könnten. Die Preise für ein Barrel der Sorte Brent sind seit Jahresbeginn um 15 Prozent gestiegen.

Sollten die Iran-Lieferungen vom Markt genommen werden, könnten die Preise um weitere 20 bis 30 Prozent anziehen, hatte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, vergangene Woche gesagt.

Der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Arabien könnte allerdings nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) bei einer geringeren weltweiten Förderung einspringen. Saudi-Arabien sei in der Lage, genug Öl zu produzieren, um Ausfälle auszugleichen, sagte IEA-Chefin Maria van der Hoeven am Freitag. „Es herrscht keine Angst, dass die Lieferungen unterbrochen werden.“

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  • @ so_what

    Fast Richtig

    Der dauernd veränderbare Warenkorb der Teuerungsrate ist nicht gleich Inflation.

    Inflation nach der Wiener Schule, deren Berechnung ich am realistischen finde, berechnet nach einem Einkaufskorb + Wertverfall eines Guthabens ( z. B. Bargeld + eiserne Reserve ). Da der Wertverfall des vorhandenen Geldes oder Guthabens erheblich ist, liegt somit die wirkliche Inflation bei über 10%.
    Zum Warenkorb der Teuerungsrate kann man noch hinzufügen:
    Der deutsche wurde auf politischen Druck von Fest auf Variabel geändert. Somit ist jeder Statistikmanipulation Tür und Tor geöffnet. Der Umgang sollte kritischer erfolgen.

    Ansonsten stimme ich Ihnen voll zu. Vielen Dank.

    Schönen Tag noch.

  • @ DerDietmar

    Man muß wissen, daß der Korb der Teuerungsberechnung - heißt Inflation - ständig verändert wird zugunsten billigerer Produkte, die weniger gestiegen sind. So wird suggeriert, daß die Preissteigerung ja gar nicht so wil ist.

    So wird heute oft sogar die Preissteigerung EX Energiekosten veröffentlicht, eine Mogelpackung per se. Denn Energiekosten sind heute ein ganz bedeutender Faktor bei diesen exorbitanten Steigerungen.

    Wir werden betrogen nach Strich und Faden, die Inflation wird immer klein gerechnet, es sieht leider anders aus.

    Die tatsächlichen Kosten sieht ja jeder in seinem Budjet, was er zur Verfügung hat, was ihm abgebucht wird. Wie vielen Menschen ist schon der Strom abgestellt worden, weil sie ihn nicht mehr bezahlen können usw...

  • "Beim Ölpreis gibt es aktuell mindestens 50 US-Dollar Spekulationsaufschlag. Das bekommen dann Fonds, nur weil sie es geschafft haben den Preis hoch zu treiben - Stichwort Terminkontrakte. "

    So ist es. Krisen kann man auch künstlich herbei führen.
    Aber unsere Politiker sind ja strohdumm, sie wissen einfach nicht, was da an der Finanzindustrie abgeht, sie beugen sich einfach dem Diktat. Sie sind selten Handelnde, nur Reagierende.

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