Ölpreis
Die Suche nach Schuldigen

Der Ölpreis hat die nächste Rekordmarke geknackt: 143 Dollar je Barrel. Für die Rally gibt es eine Vielzahl von Gründen. Einige sind klar zu identifizieren. Sind die "Spekulanten" Schuld?

NEW YORK/LONDON. Der Ölpreis steigt und steigt. Am Montag übersprang er die Marke von 143 Dollar und erreichte einen Rekordwert. Ein Barrel (159 Liter) Leichtöl kostete im elektronischen Handel der New Yorker Börse zeitweise 143,67 Dollar. Experten nannten als Grund vor allem die Dollarschwäche und politische Spannungen. "Der Dollar ist gesunken, und es gibt Nachrichten - vor allem aus dem Mittleren Osten - die den Ölpreis treiben", sagte Rohstoff-Analyst Mark Pervan von der Australian & New Zealand Bank.

Die öffentliche Kritik an "Spekulanten" im Zuge des rekordhohen Ölpreises schwächt sich dagegen ab - aus Mangel an Beweisen. Der US-Kongress hielt innerhalb kurzer Zeit zwar schon mehr als 40 Anhörungen zum Thema ab, um einen Schuldigen am Ölpreis-Schock auszumachen: Doch bisher wurde die Politik in Washington weder bei führenden Konzernen wie Exxon Mobil noch beim weltgrößten Ölkartell Opec fündig. Mit jeder weiteren Anhörung wird deutlicher: Auch die Investoren der Rohstoffmärkte, etwa Pensionsfonds oder Hedge-Fonds, taugen nicht für die Rolle des "Schwarzen Peters".

Zwar ist offensichtlich, dass immer mehr Kapital in die verschiedenen Rohstoffklassen strömt. So verwalten große Fonds derzeit rund 260 Mrd. Dollar in index-basierten Rohstoff-Investments - vor fünf Jahren waren es kaum 15 Mrd. Dollar. Die wachsende Präsenz der Spekulanten sei aber "mehr eine Konsequenz des engen Öl-Marktes als die Ursache", sagt Daniel Yergin, einer der renommiertesten Energieexperten in den USA. Der Chef der Beratungsfirma Cambridge Energy Research wies vor dem US-Kongress kürzlich auf fundamentale wirtschaftliche Faktoren hin, die den Preisanstieg befeuern: die weltweit wachsende Nachfrage nach Öl, Versorgungsengpässe in Ländern wie Nigeria sowie auf die anhaltende Flucht aus dem Dollar, die Anleger ins "schwarze Gold" treibt. Spekulanten könnten zwar für kurzfristige Über- oder Untertreibungen bei Preisen verantwortlich gemacht werden: "Grundsätzliche Trends können sie aber nicht setzen", betont auch Commerzbank-Analystin Barbara Lambrecht.

Selbst einflussreiche US-Politiker wie der New Yorker Senator Charles Schumer vertreten inzwischen die Ansicht, dass man die Preisexplosion schlecht den Spekulanten in die Schuhe schieben kann. Statt dessen, sagt Schumer, solle Amerika besser seinen Ölverbrauch reduzieren und Themen wie Energieeffizienz in Angriff nehmen.

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