Ölpreis
Putin wappnet sich für „katastrophalen“ Preisverfall

Wladimir Putin stellt sich auf einen „katastrophalen“ Verfall der Ölpreise ein. Sein Land sei dafür gewappnet, meint der russische Präsident. Jetzt kommt es darauf an, was die Opec auf dem nächsten Treffen entscheidet.
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FrankfurtRussland stellt sich auf einen „katastrophalen“ Preisverfall bei Öl ein. Das sagte der russische Präsident Wladimir Putin der Nachrichtenagentur Tass. Ein solches Szenario liege absolut im Bereich des Möglichen, so Putin. Russlands Währungsreserven seien groß genug, um dies auszuhalten.

Die Ölpreise steuern auf die längste Verlustserie seit Ende der achtziger Jahre zu. In diesem Jahr ist der Preis um 30 Prozent gefallen. Das setzt jenen Staaten zu, die von Ölexporten leben, ganz besonders Russland. Rohöl der US-Sorte WTI notierte bei 75,05 Dollar je Barrel. Das Barrel der Sorte Brent kostete 78,45 Dollar.

Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet auch im kommenden Jahr weiter sinkende Ölpreise. Der Ölmarkt befinde sich nun in einer neuen Ära mit einer schwächelnden Wirtschaft in China und einem Schieferöl-Booms in den USA. Daher sei eine baldige Rückkehr zu alten Höchstständen unwahrscheinlich, schrieb die IEA in ihrem am Freitag veröffentlichten Monatsbericht. Durch den Fracking-Boom ist die Ölförderung in den USA auf den höchsten Stand seit mehr als 30 Jahren gestiegen.

Der sinkende Ölpreise macht auch dem Ölexporteur Venezuela zu schaffen. Das südamerikanische Land habe wegen des starken Ölpreisverlustes 30 Prozent seiner Devisen-Einnahmen verloren, sagte der linksgerichtete Präsident Nicolás Maduro am Donnerstag (Ortszeit) in Caracas. Er habe Außenminister Rafael Ramírez nach Algerien, Katar, in den Iran und nach Russland geschickt, um das Thema anzusprechen. Ramírez war zuvor Chef des staatlichen Ölkonzerns PDVSA sowie Energie- und Ölminister. Er traf am Donnerstag von Algerien kommend in Katar ein und soll laut Maduro auf seiner Reise Venezuela, die Märkte und den Ölpreis verteidigen, der tragend für die Wirtschaft des Landes sei.

Das Opec-Mitglied Venezuela ist einer der weltweit größten Ölexporteure und deckt seine Deviseneinnahmen zu 95 Prozent durch Einnahmen aus dem Ölgeschäft. Der Preis für das Barrel (159 Liter) venezolanischen Öls fiel inzwischen auf unter 70 Dollar. Im Juni waren es noch 99 Dollar. Das Barrel der in Europa üblichen Sorte Brent notierte diese Woche knapp unter 80 Dollar. Rund sechs Monate zuvor waren es noch 115 Dollar.

Bei ihrem nächsten Treffen am 27. November wird die Opec über Förderquoten entscheiden. Experten sprechen vom wichtigsten Opec-Treffen seit 30 Jahren. „Die Märkte haben derzeit Angst”, schreibt Analyst Jonathan Barratt von Ayers Alliance Securities in Sydney. „Es wird sich nach dem richten, was die Opec denkt. Erst wenn die Tagung näher rückt, werden die Preise anfangen zu steigen.“

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Kommentare zu " Ölpreis: Putin wappnet sich für „katastrophalen“ Preisverfall"

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  • @ Reiner Vogels
    Das hat nicht unbedingt etwas mit Russland per se zu tun.
    Der Satz geht anders: "Vom Kapitalismus lernen, heißt siegen lernen - und vom Sozialismus lernen, heißt verlieren lernen."
    Und in Russland herrscht heute mehr Kapitalismus als in der EU - dort gibt es stattdessen einen Geldsozialismus!
    Man verteidigt aus ideologischen Gründen eine Gemeinschaftswährung jenseits aller ökonomischenn Vernunft.
    Und dann ist man aus ideologischen Gründen noch nicht einmal in der Lage, sich einfachste Tatsachen einzugestehn: Wenn man überwiegend (hervorragende) Endprodukte herstellt, aber selber kaum die Rohstoffe dafür besitzt, ja wen sucht man sich dann idealerweise als Tauschpartner aus? Konkurrenten aus Endprodukte-Herstellern oder Rohstofflieferanten??

  • Sehr geehrte Frau Popova,

    schön, daß sich auch mal jemand aus Rußland am Gespräch beteiligt. Ich denke, Sie haben recht. Alle, die es mit Rußland aufgenommen haben, von Napoleon bis hin zu Hitler, haben sich am Ende eine blutige Nase geholt. Ich bin überzeugt, daß das auch im gegenwärtigen Konflikt der Fall sein wird.

    Ein erster strategischer Sieg ist ja Rußland im Verein mit China beim- eben zu Ende gegangenen APEC-Gipfel gelungen. Die USA haben die APEC-Staaten nicht dazu bewegen können, das TPP-Abkommen zu bevorzugen. Statt dessen bevorzugen sie eine Initiative Chinas, die allen Pazifikstaaten offenstehen soll.

    TPP ist ja ein US-dominiertes Abkommen, das vor allem das Ziel verfolgt, Rußland und China auszuschließen. Offenbar ist den APEC-Staaten das Hemd näher als der Rock. Sie sehen, daß ihre wirtschaftlichen Zukunftschancen im Verbund mit der sich neu formierenden Achse Rußland-China größer sind als mit den überschuldeten und weitwegend deindustrialisierten USA.

    Die EU-Europäer dagegen sind offenbar dümmer. Sie bevorzugen das TTIP-Abkommen, das vor allem das Ziel verfolgt, Rußland auszuschließen. Sie kapseln sich damit von Rußland ab. Sie werden zudem die Hauptverlierer der Sanktionen sein.

    Es stimmt: Von Rußland lernen heißt siegen lernen. Es stimmt aber auch: Von der EU lernen heißt verlieren und pleitegehen lernen.

  • "...pleiter als pleite ist" statt "isst" natürlich.
    Eine Pleite ist nicht besonders genießbar... ;-)

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