Ölverbrauch
Am Ölmarkt zeichnet sich eine Beruhigung ab

Die Lage an den Rohölmärkten hat sich etwas entspannt. Positiv wirkten gestern Nachrichten, dass die Rebellen in Nigeria drei verschleppte Arbeiter eines US-Ölunternehmens frei gelassen haben.

jsn DÜSSELDORF. Zur Vorsicht mahnten indes die zuletzt rückläufigen Lagerbestände in den USA. Mit rund 62 Dollar je Barrel (159 Liter) verharrt das europäische Brentöl daher weiter auf hohem Niveau.

Dabei signalisieren die fundamentalen Marktfaktoren eher eine Beruhigung am Ölmarkt. Die monatlich von Dow Jones Newswires befragten Experten erwarten für 2006 einen Durchschnittspreis für Brentöl von 60 Dollar je Barrel; für den US-Marktführer West Texas Intermediate (WTI) sind es 61,6 Dollar. Diese Erwartungen lägen im Bereich der preispolitischen Zielvorstellungen der Opec-Staaten, sagte Hans W. Schiffer, Energieanalyst der RWE Power AG. Bei rückläufigen Ölpreisen würden die Opec-Staaten daher wohl Angebotsmengen vom Markt nehmen. Schwieriger bleibe es für das Ölkartell, Preisschübe nach oben sofort zu begrenzen, etwa bei politischen Zuspitzungen in wichtigen Produzentenregionen. Allerdings vergrößern sich laut Schiffer die Spielräume für eine Preisstabilisierung auf relativ hohem Niveau durch höhere freie Kapazitätsreserven.

Die Experten des New Yorker Fachblatts Petroleum Intelligence Weekly (PIW) rechnen damit, dass die freien Angebotspuffer im Kartelllager um eine Million auf drei Mill. Barrel pro Tag bis zum vierten Quartal dieses Jahres klettern könnten. Gleichzeitig könnten die kommerziellen Lagervorräte schon im zweiten Quartal um über zwei Mill. Barrel pro Tag aufgestockt werden.

Hinzu kommt, dass die kartellungebundenen Angebotsmengen überdurchschnittlich zulegen könnten. Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris schätzt diesen Zuwachs auf 1,2 Mill. Barrel, das Fachblatt PIW sogar auf 1,8 Mill. Barrel – nach einer Stagnation der Produktion im vergangenen Jahr. Auf der Angebotsseite zeichneten sich somit Entlastungen ab, vorausgesetzt die fortbestehenden geopolitischen Risiken könnten einigermaßen ausgelotet werden, resümiert der Herausgeber des Hamburger Fachblatts Energie-Informationsdienst (EID), Heino Elfert.

Die Phase des exzessiven Wachstums beim Ölverbrauch der Welt könnte zudem erst einmal gestoppt sein. Elfert zitiert hierzu eine Stellungnahme des Chefs der China National Offshore Oil Company, Fu Chengyu, wonach der Ölverbrauch Chinas in der nächsten Zeit dank zunehmender Energieeffizienz und wachsender Erdgaseinfuhren mehr oder minder auf dem aktuellen Niveau verharren dürfte.

Auch die IEA schätzte jüngst den Weltölverbrauchstrend etwas schwächer ein. Der für das laufende Jahr erwartete Zuwachs wurde von fast 1,8 Mill. Barrel pro Tag auf knapp 1,5 Mill. korrigiert. Gründe dafür seien global eine preisinduzierte Einsparung und eine Nachfrageschwäche in Südostasien. Für Elfert steht aber fest, dass der künftige Ölverbrauchsexpansionspfad derzeit das „größte Rätsel“ darstellt.

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