Opec-Konferenz
Die Ölquellen sprudeln weiter

Bei ihrem Treffen in Wien haben sich die 13 erdölexportierenden Länder nicht auf eine Deckelung der Ölfördermenge einigen können. Doch nach jahrelangem Stillstand konnten sie immerhin ein Ergebnis verkünden.

WienZu Beginn der Konferenz hatte sich eine Mauer von Mikrofonen und Kameras um den neuen saudischen Ölminister Khalid A. Al-Falih gebildet. Freundliche Augen hinter der randlosen Brille blicken in die Linsen der Reporter. Bei seinem ersten Auftritt vor der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) in Wien hatte sich der erfahrene Ölmanager aus Riad fast fröhlich gegeben.

Doch seine Worte klangen ernst: „Es geht um die langfristige Stabilität des Marktes“, hatte Al-Falih in die Mikrofone und Handys der rund zweihundert Journalisten und Analysten geflüstert, die kurz vor dem Beginn den Konferenzraum im ersten Stock des verwinkelten Opec-Gebäudes in der Wiener Innenstadt gestürmt waren.

Am Nachmittag dann die nächste Pressekonferenz: Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hat sich bei ihrem Treffen nicht auf eine feste Förderquote einigen können. Als Opec-Präsident Mohammed Bin Saleh Al-Sada versuchte, das Ergebnis der mehrstündigen Beratungen zu erklären, war der Öl-Minister Katars sichtlich nervös. Von einer Krise des 13 Länder umfassenden Öl-Kartells wollte er trotz der Uneinigkeit aber nichts wissen. „Wir hören uns gegenseitig zu und beraten uns gemeinsam“, beschwichtigte er. Der scheidende Generalsekretär Abdalla El-Badri sagte: „Ich habe schon viele Mal gehört, die Opec sei tot. Aber die Opec ist lebendig.“

Ein Ergebnis gab es immerhin: Der Libyer El-Badri wird nach mehr als neun Jahren im August erwartungsgemäß vom Nigerianer Mohammed Barkindo abgelöst. Der Wechsel war längst überfällig. Doch die Opec-Mitglieder hatten sich in der Vergangenheit nicht einmal einstimmig auf einen neuen Generalsekretär einigen können. Barkindo ist ein erfahrener Ölmanager und Chef des staatseigenen Ölkonzerns in Nigeria. Er wurde nun für drei Jahre gewählt.

Teilnehmer berichteten, dass die Stimmung diesmal auf dem Opec-Treffen In Wien wesentlich besser gewesen sei als in den vergangenen eineinhalb Jahren war. Das dürfte vor allem am leicht gestiegenen Ölpreis liegen. „Es ist das erste Treffen, bei dem wir einen neuen Trend bei rund 50 Dollar gesehen haben“, sagte Opec-Präsident Mohammed Bin Saleh Al-Sada nach der Konferenz. „Ein fairer Preis ist eine Rückkehr zu Preisen, wo wir wieder vernünftig investieren können.“ Die Opec setzt auf eine weitere Preiserholung.


Die 13 Mitgliedsstaaten betonten gemeinsam ihr Interesse an einen „stabilen und ausbalancierten Ölmarkt“, dessen Preise für Produzenten und Konsumenten passend sein sollen. Mit Freude beobachtet die Opec, dass die Ölproduktion außerhalb des Kartells um 740.000 Barrel pro Tag in diesem Jahr zurückgehen wird. Das sind mehr als eine Millionen Barrel weniger als zu den Spitzenzeiten Anfang 2015. Gleichzeitig wächst die globale Ölnachfrage laut Opec um 1,2 Millionen Barrel pro Tag. Das Ölkartell sprach am Donnerstag von einer „relativ gesunden“ Nachfragewachstum trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen und Entwicklungen.

Nach der Bekanntgabe, dass sich die Opec auf keine feste Deckelung ihrer Produktion einigen konnte, kamen die Ölpreise allerdings unter Druck. Ein Barrel Brent-Öl kostetet zuletzt knapp 49 Dollar. Die nächste Opec-Konferenz findet Ende November in Wien statt.

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Beobachter hatten keinen Konsens erwartet

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