Opec-Treffen
Achterbahnfahrt beim Ölpreis

Kurz vor dem Treffen des Ölkartells kommen Gerüchte über eine mögliche Förderbegrenzung des schwarzen Goldes wieder auf. Doch der Iran scheint erneut die Party zu verderben. Wie die Opec-Akteure stille Post spielen.

FrankfurtDie Opec trifft sich in Wien und da ist es schon wieder, das Thema Fördergrenze bei der Produktion des Rohöls. Auf gleich vier Opec-Quellen berief sich die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwochabend. Das Ölkartell werde sich auf seinem Treffen in Wien diesem Thema widmen.

Für den Ölpreis war das eine gute Nachricht. Schmierte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zuvor noch unter 49 Dollar ab, wirkte die Nachricht wie ein Befreiungsschlag. Bis zum Abend ging es erneut um einen Dollar nach oben. Zwischenzeitlich war gar die Rede von einer Opec-Fördergrenze knapp unter dem aktuellen Niveau von 33 Millionen Barrel am Tag.

Doch dann, als letzter der dreizehn Ölminister, traf am späten Abend der Iraner Bijan Namdar Zangeneh ein – und machte zugleich deutlich, was er von dem Treffen erwarte: Nichts. Eine Fördergrenze habe „keine Vorteile“ für sein Land. Zudem erklärte der Ölminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail Mohamed Al Mazrouei, noch nichts von einer möglichen Deckelung gehört zu haben. Gerüchte hier, Dementi da – das Ganze mutet an wie ein Stille-Post-Spiel entscheidender Akteure am Ölmarkt.

Damit präsentiert sich das gleiche Bild wie in der jüngsten Vergangenheit: Spekulationen feuern die Erwartungen an, der Preis steigt, doch am Ende scheitert – offenbar erneut – eine Einigung an den unüberwindbaren Gräben zwischen Saudi-Arabien und dem Iran.

So mag die Opec ihre aktive preistreibende Macht als geeintes Kartell im Moment verspielen. Der Einfluss des Kartells, das immer noch für mehr als ein Drittel der weltweiten Produktion steht, bleibt an den Märkten jedoch bestehen. Am Donnerstagvormittag kostete ein Barrel Brent zeitweise wieder über 50 Dollar. Allein die Unsicherheit über das, was tatsächlich in Wien besprochen wird, ließ ihn kurz darauf wieder unter die Marke fallen.

Bereits im Vorfeld haben Investoren und Analysten die Erwartungen kräftig heruntergeschraubt, wie eine Handelsblatt-Umfrage ergeben hat. Keiner der Befragten rechnet mit einem Befreiungsschlag der Opec. So glaubt auch Michael Müller, Rohstoff-Fondsmanager bei Union Investment, nicht an eine Einigung über eine Förderbegrenzung. „Das liegt vor allem daran, dass die erdölproduzierenden Länder nicht mehr an einem Strang ziehen. Die OPEC-Staaten und Russland haben sich bereits zwei Mal getroffen, um die Fördermengen zu begrenzen, passiert ist aber nichts. Es ist daher schwer ersichtlich, warum das am Donnerstag in Wien anders sein sollte.“

Die amerikanische Großbank Citi schätzt jedoch, dass genau diese Nullerwartungen Preissprünge nach sich ziehen können. „Selbst ein schwaches und nicht durchsetzbares Abkommen über eine Fördergrenze wäre eine bullische Überraschung.“ Der Börsenjargon heißt im Klartext: Die Preise könnten dann plötzlich deutlich anziehen.

Wie das aussehen kann, zeigte der Ausbruch der Preise über die 50-Dollar-Marke am Vormittag. Einer der Gründe könnte erneut die Hoffnung auf eine Einschränkung der Fördermengen gewesen sein. Zwar schließt Irans Ölminister Zanganeh eine formelle Deckelung vorerst aus. Das Land möchte zunächst seine Produktion auf vier Millionen Barrel erhöhen. Im April waren es bereits 3,5 Millionen. Doch immerhin zeigte sich der Iran gesprächsbereiter als noch beim letzten Treffen in Doha. Nach Wien kam Zanganeh mit einem eigenen Vorschlag: Die Opec solle seine Ölförderquoten für die einzelnen Mitgliedsstaaten wiederleben. Ohne sie wären auch Fördergrenzen sinnlos. Doch was davon am Ende des Treffens übrig bleibt, bleibt vorerst reine Spekulation.

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