Opec-Treffen in St. Petersburg
Ölminister unter Zugzwang

Weniger Öl für höhere Preise: Dieser Formel will die Fördergemeinschaft Opec treu blieben. Doch weil die Umsetzung zuletzt zu wünschen übrig ließ, reist zum Kontrolltermin nach Russland sogar der saudische Ölminister an.
  • 0

FrankfurtEin Routinetreffen, mehr sollte es eigentlich nicht werden. Ein netter Plausch im russischen St. Petersburg über den Wasser-, oder besser: Ölstand, in Sachen Förderkürzung, bei dem sich alle gegenseitig versichern, ihre Quoten einzuhalten. Kurz: alles auf Kurs. Ein paar Häppchen und ein Drink zum Abschluss, dann könnte jeder zurück nach Hause oder in den Urlaub reisen.

Treffen sollte sich eigentlich nur das Joint Ministerial Monitoring Committee (JMMC), jenes Gremium bestehend aus den drei Opec-Staaten Algerien, Kuwait und Venezuela sowie den Nicht-Opec-Staaten Russland und Oman, das die Umsetzung der Förderkürzung prüft. Aus dem Routinetreffen ist nun aber ein Notstandstreffen geworden, für das sogar der saudische Ölminister Khalid Al-Falih aus seinem Urlaub eingeflogen kommt. Grund dafür sei die plötzliche „strategische Bedeutung“ und die „hohen Erwartungen“ dieser Tage, erklärte Opec-Generalsekretär Mohammed Barkindo.

Einen Durchbruch bei den hat es bei dem Treffen zwar nicht gegeben, wohl aber einen Appell: „Einige Staaten hinken bei der Umsetzung hinterher“, mahnte Al-Falih. Dies sei ein „Sorge, die wir direkt angehen müssen“. Um die Märkte nicht nur vom guten Willen sondern auch von den Taten der Opec zu überzeugen, sollen nun auch die Exporte, nicht mehr nur die Produktionszahlen überwacht werden. Bereits im Januar wurde über diese Möglichkeit debattiert, bislang aber nicht umgesetzt.

Investoren und Anleger hatten sich eigentlich erhofft, dass das Komitee über Produktionsobergrenzen für die beiden von der Kürzung ausgenommenen Staaten Libyen und Nigeria. Bereits in einem Vorgespräch des Treffens am Sonntag hätte sich die Delegation bereits über die Lage von Libyen und Nigeria sowie die „Aussichten und Herausforderungen“, die vor dem Kartell liegen mögen, ausgetauscht, wie die Opec in einer Mitteilung erklärt.

Zwar zeigten sich sowohl Nigeria als auch Libyen zuletzt gewillt, ihren Teil zur Stabilität des Ölmarktes beizutragen, allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen: Nigeria wolle Bloomberg zufolge seine Produktion zunächst bei 1,8 Millionen Barrel pro Tag stabilisieren. Der Chef des staatlichen libyschen Ölkonzerns NOC, Mustafa Sanallah, peilt bis Jahresende an, schon 1,25 Millionen Barrel pro Tag zu fördern. Beides zusammen ergäbe ein Plus von fast einer Million Fass im Jahresvergleich – und würde allein die Kürzungen zu vier Fünfteln nichtig machen.

Dass ein entsprechender Beschluss fehlt, scheint den Investoren wenig auszumachen: Nach anfänglichen Verlusten legt der Ölpreis nun wieder zu. Am Nachmittag notiert er knapp ein halbes Prozent höher bei 48,33 Dollar je Barrel der Nordseesorte Brent.

Zuletzt hatte es immer wieder Zweifel gegeben, ob das Ölkartell auch weiterhin die Disziplin aufbringen könne, um die Kürzungen bis Ende März 2018 durchzuhalten. Die Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) hat sich gemeinsam mit zehn weiteren Nicht-Opec-Staaten verpflichtet, täglich 1,8 Millionen Barrel Öl weniger zu fördern. Das entspricht zwar nur rund zwei Prozent der gesamten Fördermenge. Es soll aber reichen, um das jahrelang bestehende Überangebot zu eliminieren und die hohen Lagerbestände in der Welt abzubauen.

Seite 1:

Ölminister unter Zugzwang

Seite 2:

Störenfriede innerhalb der Opec

Kommentare zu " Opec-Treffen in St. Petersburg: Ölminister unter Zugzwang"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%