Opec-Treffen
Ölkartell kann Preisverfall nicht stoppen

Der Ölpreis sinkt seit Monaten. Nun beraten sich die Ölförderer. Doch gegen den Preisverfall können sie wenig ausrichten – weil sie sich nicht einig sind und weil die USA den Markt überschwemmen.
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Wien, DüsseldorfDie Ölförderer haben ein Problem: Es gibt zu viel Öl auf dem Markt. Oder zu wenig Nachfrage. Je nach Sichtweise. Dadurch sinkt der Ölpreis seit Monaten. Bisher hat die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) dem tatenlos zugesehen. Holt das Ölkartell, das für 40 Prozent der globalen Ölproduktion steht, nun zum Gegenschlag aus?

Einmal im Halbjahr entscheidet die Opec bei einem gemeinsamen Treffen in Wien über ihre Förderquoten. Am Freitag ist es wieder soweit. Eine Drosselung der Förderung könnte den Verfall der Ölpreise stoppen.

Experten halten dies für notwendig. „Sie müssen weiter kürzen“, sagte Seth Kleinman, Leiter Energiestrategie von Citigroup in London. „Das Angebot am Markt ist reichlich, und es wird immer reichlicher. Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, an dem die Opec dieses Problem angehen muss. Das Angebotswachstum wird robust sein und die Nachfrage wird durchweg enttäuschen.“ Das Centre for Global Energy Studies (CGES) befürchtet, dass der Ölpreis ohne Produktionskürzungen abrutschen könnte.

Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent ist in diesem Jahr um rund neun Prozent auf 101 Dollar gefallen. Am 18. April war der Preis sogar auf 96,75 Dollar gefallen.

Dennoch glauben die wenigsten Analysten, dass sich die Ölförderländer zu einer Kürzung werden durchringen können. Fast alle der 20 von Bloomberg befragten Analysten erwarten daher, dass die Opec-Mitglieder ihr Förderziel nicht verändern werden. Nur ein Befragter rechnet diese Woche mit einer Förderkürzung.

Innerhalb der Opec ist ein solcher Schritt umstritten. Wenn weniger Öl gefördert wird, gehen kurzfristig Einnahmen verloren. Das wiegt für manche Mitglieder schwerer als die Aussicht auf mittelfristig stabile Preise. Hinzu kommt, dass Saudi Arabien und Kuwait ihre Beziehungen zum Westen nicht belasten wollen, indem sie den Ölhahn zudrehen. In Venezuela und dem Iran sieht man das ein wenig anders.

Zu den Opec-Mitgliedstaaten gehören Algerien, Angola, Ecuador, Iran, Irak, Kuwait, Libyen, Nigeria, Katar, Saudi- Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Venezuela.

Eine Kürzung der Förderung dürfte am Widerstand in Saudi Arabien scheitern. Im größten Förderland der Opec gibt man sich betont gelassen. „Das Umfeld am Markt könnte nicht besser sein“, sagte der saudische Ölminister Ali al-Naimi. Die Nachfrage sei „großartig“, das vereinbarte Förderziel funktioniere „wunderbar“. Saudi Arabien hat einen Ölpreis von 100 Dollar wiederholt als „angemessen“ bezeichnet. Das sehen nicht alle Opec-Länder so. Venezuela drängt mehr oder minder offen darauf, den Ölpreis in die Höhe zu treiben.

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  • Die Spitze war 147,40$ im Sommer 08-Georgienkrieg und Rohstoffhunger der BRIC´s als Begründung.Das letzte 15 Jahrestief lag bei um die 10, genauer gesagt bei 10,65 im Dezember 98 (Rußland+Asienkrise als Begründung).Aber ursprünglich kommt er von unter 2$,zu Anfang der Siebziger Jahre des 20.Jh..
    Die Kosten sind unterschiedlich,die Saudis brauchen bis zu 2$ das Barrel um kostendeckend zu arbeiten,Rußland 30-50$ je nach Region und Förderbedingungen,in Texas kann man dagegen schon ab 20$ gut und gewinnbringend leben,Fracking und ähnliche aufwendige Förderbedingungen ausgenommen,das lohnt erst ab 50$ in der Regel.
    Offshoreförderanlagen auf hoher See lohnen heutzutage erst ab 40$ in der Regel,allerdings darf da nichts passieren,siehe BP und die Milliardenklagen der USA gegen das Unternehmen.

  • Oel ist rar u. billig, angesichts rekordtiefer Leitzinsen u. einer degressiven Dollarentwicklung. Das Währungspaar USD/CHF (1970) 4.38 CHF zu USD/CHF (2013) 0.96 CHF zeigt an das der Dollar in den letzten 40 Jahren ca. 360% an Wert verlor u. natürlich die Preise inflationsgetrieben gestiegen sind. Die globale Nachfrage, hier vor allem in den emerging markets, ist im vergangenen Jahrzehnt stark gewachsen, wenn auch jetzt konjunkturell bedingt eine gewisse Nachfrageschwäche auftritt.
    Die aufwendige risikoreiche Förderung insbesondere offshore und hier in grossen Tiefen würde unterbleiben wäre es denn in grossen Massen vorhanden.
    Der Oelpreis müsste wesentlich höher sein, min. 160 – 200 $, berücksichtigt man die Dollarschwäche u. die Tiefstzinsen. Der Oelpreis ist konjunktur eminent ist und bestimmt massgeblich die Inflation, daher ist eine Manipulation des Oelpreises denkbar. Die real schwache US - Wirtschaft braucht niedrige Oelpreise u. weitere Geldschwemmen.
    Fracking ist ein Oelblase mit genauso viel Inhalt – heisse Luft wirkt aber zur Zeit preisdrückend. Die oelautarke USA wird es nie geben. Meine Vermutung ist: Die Oellagerbestände werden manipuliert, im Regierungsauftrag. Die US Oelindustrie ist vomStaat abhänig u. vermutlich beteiligt.

  • Es ist doch kein Wunder, dass das Angebot in den letzten Jahren gestiegen ist. Bei einem Ölpreis jenseits der 100$ liefern auch Produktionsstätten mit aufwändigen und teuren Gewinnungsmethoden eine schöne Rendite.
    Die Saudis mit Produktionskosten im einstelligen Dollarbereich pro Barrel verdienen sich dumm und dusselig an dem Öl. Aber wenn der Preis durch Angebotsverknappung künstlich hoch gehalten wird, dann muss man die Konkurrenz eben ertragen. Erst ein dauerhafter Preis unter 80$ würde für sinkende Investitionsbereitschaft sorgen. Es ist die Frage, ob die Opec bereit ist diesen Preis langfristig anzupeilen.

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