Politiker fordern Tempolimit und Steuersenkungen
Autofahrer bringt das teure Benzin in Rage

Die deutschen Autofahrer müssen sich auch bei einer Ausweitung der Rohölproduktion weiter auf hohe Treibstoffpreise einstellen. Vertreter der Mineralölindustrie begründen dies mit den Spekulationen an den Rohstoffmärkten.

HB DÜSSELDORF. Vor allem aus Furcht vor Terroranschlägen hätten sich Investoren mit Ölkontrakten eingedeckt. Die Benzinpreise haben europaweit Politiker auf den Plan gerufen.

In Deutschland forderten einzelne Politiker aller Parteien ein Tempolimit auf den Autobahnen. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) lehnte eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung dagegen ab. Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Christoph Böhr plädierte für eine vorübergehende Senkung der Mineralölsteuern, sollte Rohöl noch teurer werden. Böhr nannte der dpa eine Marke von 45 Dollar je Barrel (159 Liter), ab der die Steuer um drei Cent je Liter gesenkt werden sollte. In Frankreich und Großbritannien gab es angesichts der hohen Preise an den Tankstellen ähnliche Diskussionen.

Der Rohölpreis war nach der Ankündigung der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), ihre Förderung zunächst um zwei Millionen Barrel pro Tag auszuweiten, zum Wochenende deutlich gefallen. In New York war die Richtqualität WTI mit 38,49 Dollar fast zehn Prozent billiger als auf dem Höchststand wenige Tage zuvor. In London fiel Brent-Öl unter 36 Dollar. Die Opec hat laut Nachrichtenagentur Bloomberg bereits im Mai ihre Produktion hochgefahren und förderte mit 26,51 Millionen Barrel je Tag so viel wie seit drei Jahren nicht mehr. Die tatsächliche Fördermenge liegt schon über der neuen Quote.

„Nach den Opec-Beschlüssen haben die Rohölmärkte nur mit sehr geringen Preisrückgängen reagiert“, betont Barbara Meyer-Bukow, Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV) in Hamburg. An den deutschen Zapfsäulen sank deshalb der Benzinpreis nur leicht. So kostete ein Liter Superbenzin am Freitag bei Markentankstellen im bundesweiten Durchschnitt um die 1,18 Euro und war damit lediglich um gut drei Cent billiger als Mitte Mai.

Heino Elfert, Öl-Experte und Chefredakteur des Energie-Informationsdienstes (EID) bezweifelt, dass trotz der höheren Förderquoten die Preise für Rohöl in Rotterdam deutlich sinken, an denen sich der deutsche Benzinmarkt orientiert. „Nicht die Opec, sondern die Angst vor Terroranschlägen treiben die Preise für Rohöl in die Höhe“, sagt Elfert. So würden sich derzeit Spekulanten mit Öl eindecken, um es nach den nächsten Terroranschlägen mit kräftigem Aufschlag zu verkaufen.

Die deutschen Mineralölkonzerne halten sich mit Vorhersagen zurück. Total Deutschland erklärte, dass die Preise nach den Opec-Beschlüssen zwar an vielen ihrer Tankstellen gesunken seien. Wie sich die Preise langfristig entwickelten, sei schwer vorauszusehen. Auch Esso Deutschland blieb wortkarg. Ein Sprecher sagte lediglich, der Benzinpreis passe sich angesichts des scharfen Konkurrenzkampfs auf dem deutschen Tankstellenmarkt der Entwicklung der Rohölmärkte an. Ähnlich sieht dies die MWV- Sprecherin: „Der harte Wettbewerb unter den Tankstellen sorgt dafür, dass sich die Preisrückgänge am Rotterdamer Markt sofort in den deutschen Kraftstoffpreisen wiederfinden.“

Seite 1:

Autofahrer bringt das teure Benzin in Rage

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%