Poole-Interview belastet
Euro fällt unter 1,20 Dollar

Der Euro hat am Freitag angesichts neuerlicher Hinweise von US-Notenbankern auf eine möglicherweise aggressivere Haltung der Fed bei der für dieses Jahr allgemein erwarteten Zinswende deutlich nachgegeben.

HB LONDON. Die europäische Gemeinschaftswährung sank zeitweise bis auf 1,1964 Dollar und damit um mehr als ein US-Cent gegenüber dem späten US-Handel in New York am Vorabend. Am Mittag pendelte der Euro um die Marke von 1,20 Dollar. Der Präsident der Notenbank (Fed) von St. Louis, William Poole, hatte Reuters in einem Interview gesagt, die US-Zentralbank könnte ihre Zinssätze schneller als bisher erwartet anheben, sollte sich die Inflation beschleunigen. Werden die derzeit bei einem Prozent liegenden US-Leitzinsen erhöht, verliert die Euro-Zone zumindest einen Teil ihres Zinsvorteils. Dies kann zu Umschichtungen von Dollar- in Euro-Anlagen führen. Die Leitzinsen in der Euro-Zone liegen derzeit bei 2,00 %.

Für den weiteren Handelsverlauf erwarteten die Händler keine größeren Impulse mehr. Es standen keine wichtigen Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an und die US-Märkte blieben wegen der Beerdigung von US-Präsident Ronald Reagan geschlossen.

„Poole ist sehr aggressiv.“ So kommentierte Aziu McMahon, Devisenstratege bei ABN Amro in London, die Aussagen des Notenbankers. Bereits am Mittwoch hatte sich US-Notenbankchef Alan Greenspan ähnlich geäußert. Poole ist Mitglied im Offenmarktausschuss der Fed, der am 30. Juni das nächste Mal über die Leitzinsen entscheidet.

Pooles Aussagen heizten die Spekulationen an, die Fed werde die Zinsen in größerem Tempo als bisher erwartet anheben. Für die nächste Sitzung rechnen die Märkte mit einer Erhöhung um 25 Basispunkte. Eventuell könne die Fed bereits bei ihrer darauf folgenden Entscheidung weitere 25 Punkte zugeben, hieß es unter Händlern. „Die Äußerungen Pooles haben Spekulationen über die Zeitplanung der Fed für Zinserhöhungen neu entfacht und das hat heute Dollar-Käufe ausgelöst“, sagte Mitsuru Sahara vom Devisenhandel der UFJ Bank in Tokio. „Einige fangen sogar an zu überlegen, ob die Fed um 50 Punkte anheben könnte.“

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