Preisentwicklung bei Rohstoffen
Kein Ende in Sicht

Schon jahrelang dauert die Hausse an den Rohstoffmärkten, und trotzdem rechnen Analysten fest damit, dass die Preise weiter steigen. Hauptgrund sind Versorgungsengpässe wegen maroder Infrastruktur in China und Südafrika.

FRANKFURT. Die bekannten Rohstoffindizes haben - zur Überraschung der meisten Analysten – zuletzt wieder neue Rekordstände erreicht. Die Hausse hat zwei Gründe: zum einen den nach wie vor hohen Zufluss spekulativer Gelder in die Rohstoffmärkte; zum anderen die anhaltend starke Nachfrage nach Energie, Metallen und landwirtschaftlichen Gütern.

Denn ungeachtet der sich in den USA und in Europa abkühlenden Konjunktur ist der Rohstoffhunger in den bevölkerungsreichen asiatischen Staaten nach wie vor riesig. Noch immer kommt es dort zu alarmierenden Versorgungsengpässen. In Südafrika und China erweist sich in diesen Tagen zudem die marode Infrastruktur bei der Energieversorgung als Preistreiber verschiedener Rohstoffe wie Platin, Gold und auch von Buntmetallen.

Und so geraten die Mängel in der Rohstoffversorgungs-Sicherheit immer stärker in den Blickpunkt. Die zu beobachtende weltweit geringe Vorratshaltung von Rohstoffen hat David Greely von Goldman Sachs im Handelsblatt-Gespräch als wahrscheinlichen Überraschungsfaktor für die nächste Zeit bezeichnet. „Wenn die USA und Europa keine Rezession erleben, werden die Preise der Commodities kräftig in die Höhe schießen“, sagt Greely mit Hinweis darauf, dass Verarbeiter und Verbraucher bei vielen Rohstoffen über sehr niedrige Bestände verfügen.

Vor diesem Hintergrund sehen sich immer mehr Rohstoff-Analysten dazu veranlasst, ihre Preisprognosen für Rohstoffe abermals kräftig heraufzusetzen. Dazu gehört auch Paul Horsnell von Barclays Capital, der jetzt die langfristige Lage an den Energiemärkten neu eingeschätzt hat. Aus diesen strategischen Überlegungen resultiert die Anhebung der Preisprognose für die US-Rohöl-Richtmarke WTI zur Lieferung im Jahr 2015 von bislang 93 Dollar je Barrel um fast 50 Prozent auf 137 Dollar. Die Ausbeutung der derzeit verfügbaren Ölvorkommen schreite rascher voran als bislang angenommen, begründet der Experte seine Neueinschätzung. Vor allem die in Zukunft zunehmende Ölnachfrage in China sehen Horsnell und andere Analysten als Preistreiber. In diesem Zusammenhang wurde an den Energiemärkten zuletzt auch die Nachricht über eine 43-prozentige Verringerung chinesischer Kohle-Exportquoten als Signal für den unbändigen Energiehunger Chinas interpretiert.

An den Märkten der Platinmetalle wurde die weltweit geringe Vorratshaltung zuletzt durch Lieferunterbrechungen aus der Republik Südafrika deutlich; die Platinminen der Republik am Kap beklagen eine unzureichende Energieversorgung. Auch bei den Buntmetallen wirkt sich die aktuell knappe Versorgung aus. Besonders zeigte sich das am Zinnpreis, der sich gestern auf 17 630 US-Dollar je Tonne verteuerte – ein neuer Rekordpreis. Als Grund hierfür nennt der Handel Lieferengpässe beim weltweit zweitgrößten Zinnproduzentenland Indonesien.

Besondere Aufmerksamkeit findet der zwischen der Nahrungsmittel-, Futtermittel- und Energiewirtschaft ausgetragene Kampf um einzelne Agrar-Rohstoffe wie Mais, Zucker, Weizen, Sojabohnen, Raps und Palmöl, der die Preise des gesamten Sektors in die Höhe treibt. Ein Grund dafür ist in den auf Rekordniveau befindlichen niedrigen Getreidebeständen zu sehen. „Die Getreidebestände sind weltweit auf historischem Tief, und selbst mögliche Rekordernten würden hieran kaum etwas ändern“, sagt Norbert Steiner, Vorstandsvorsitzender von Europas führendem Düngemittelunternehmen Kali & Salz im Handelsblatt-Gespräch.

Farmer und Bauern in aller Welt säen auf den vorhandenen agrarischen Nutzflächen immer stärker Energiepflanzen an, für die sie höhere Preise erzielen können. Dies wiederum bedeutet, dass ein Teil dieser Anbauflächen für andere niedrigpreisige agrarische Rohstoffe wie Baumwolle nicht mehr zur Verfügung stehen. Dadurch steigen die Preise dieser Rohstoffe.

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