Produktion reicht nicht aus – US-Verbrauch sinkt
Starke Nachfrage aus China verteuert Kupfer

Der seit rund einem Jahr anhaltende Aufwärtstrend des Kupferpreises ist ungebrochen. Daran änderten auch vorübergehende leichte Rückschläge nichts. Das Buntmetall Kupfer kostet gestern an der Londoner Metallbörse (LME) gut 1 760 Dollar je Tonne ($/t). Noch vor einem Jahr notierte es unter 1 500 $/t .

LONDON/DÜSSELDORF. Nach Einschätzung der Rohstoff- Experten von Merrill Lynch Investment Managers (MLIM) wird sich der Preisanstieg fortsetzen, da sich die Marktbedingungen verbessert haben. Zum einen spreche dafür der bessere Ausblick für die Weltwirtschaft. Und vor allem die weiter wachsende Nachfrage Chinas nach Kupfer mache „den Rohstoff attraktiv für Investoren“, erklärte MLIM. Chinas eigene Kupferressourcen seien begrenzt, doch halte die Nachfrage nach besser ausgestatteten Häusern und nach Elektronik an. Auf diese Bereiche entfielen 65 % der Kupfernachfrage des Landes.

„Die unersättliche Nachfrage Chinas und die gesunde Verfassung der Branche haben Kupfer zu einer ausgezeichneten Investmentstory gemacht“. Mit diesen Worten begründet Evy Hambro, Fondsmanager des MLIIF World Mining Fund, eine Übergewichtung des Kupferbereichs in dem Fonds, der weltweit in Aktien von Rohstoffproduzenten investiert.

Allerdings berge das Rekordvolumen von 37 000 Longpositionen – Terminkontrakte, die auf steigende Preise setzen – an der New Yorker Metallhandelsbörse Comex kurzfristig das Risiko eines Rückschlags für den Kupferpreis, meint Kevin Norrish von Barclays Capital in London. Marktteilnehmern, die von dem bevorstehenden zyklischen Aufschwung des Metalls profitieren wollten, böte dies die Chance für einen Einstieg. „Die Fundamentals in diesem Markt sind extrem positiv“, meint auch seine Kollegin Ingrid Sternby.

Anfang dieser Woche hatte die Internationale Studiengruppe für Kupfer (ICSG) dargestellt, wie stark sich binnen weniger Monate der Markt für das meist gehandelte Industriemetall drehte. In der ersten Jahreshälfte 2003 habe sich ein Produktionsdefizit von 271 000 t herausgebildet. In der Vergleichszeit 2002 habe dagegen noch ein Überschuss von 219 000 t bestanden. Die Differenz von immerhin 490 000 t sei einerseits die Folge einer um 340 000 t auf 7,842 Mill. t gestiegenen weltweiten Nachfrage nach Kupfer. Die Erzeugung von raffiniertem Kupfer sei dagegen um etwa 150 000 auf 7,571 Mill. t abgebröckelt. Wegen der Verknappung bei Kupferkonzentraten und -schrott hätten die Hütten ihre Kapazitäten nur zu 81,8 % auslasten können; im ersten Halbjahr 2002 hatte die Quote noch 87 % betragen. „Die Anlieferungen von Konzentraten aus den Bergwerken werden wohl noch für die nächsten zwei bis drei Jahre den Schlüssel zur Kupfererzeugung halten“, meint Jim Lennon von Macquarie Research in London.

Auch Lennon hebt die Bedeutung Chinas am Kupfermarkt hervor. Die weltweite Nachfragebelebung sei in diesem Jahr fast ausschließlich auf den um etwa 20 % gestiegenen Bedarf Chinas zurückzuführen gewesen. Der Verbrauch in den USA sei um 5 % geschrumpft, die Gesamtnachfrage des Westens daher nur um 1,1 % gestiegen. Inzwischen deuteten jedoch auch die Indikatoren der Industrieländer auf eine nachhaltige Belebung des Wirtschaftswachstums hin. 2004, so Lennon, werde der Kupfermarkt daher eine „explosive“ Verbrauchszunahme von 6 % verzeichnen. Und selbst wenn stillgelegte Kapazitäten wieder in Betrieb genommen werden sollten, drohe dem Markt ein neues großes Defizit – mit entsprechender Preiswirkung.

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