Rätselhafte Spanne
Brentöl ist zu teuer - WTI zu billig

An den internationalen Rohölmärkten driften die Preise der Sorten Brent und WTI erneut auseinander. Eigentlich gibt es dafür keinen Grund. Experten diskutieren über mögliche Ursachen.
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DüsseldorfWährend das europäische Brentöl mit zuletzt 116 Dollar immer teuer wird, kostet das amerikanische Leichtöl WTI inzwischen wieder weniger als 100 Dollar je Barrel. Ein Barrel entspricht 159 Liter. Der Abstand der beiden Preise, der sogenannte Brent/WTI-Spread, erreichte zuletzt mit rund 17 Dollar den höchsten Stand seit Anfang November.

"Rational ist das nicht nachvollziehbar", sagt Frank Schallenberger, Chef des Rohstoffresearchs der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). An den Märkten werde argumentiert, dass die politischen Spannungen um den Iran den Brentölpreis hochgetrieben haben; im Preis gebe es also "eine politische Zitterprämie". Brentöl hat sich allein seit Ende Januar um rund sechs Dollar verteuert. Der WTI-Preis sei dagegen durch den Aufbau der US-Lager ausgebremst worden.

Auch die Commerzbank sucht die Gründe für den Spread zwischen den beiden Ölsorten in den USA. Der Preisabstand sei in erster Linie "der schwachen Entwicklung bei WTI geschuldet".

Doch der Preisabstand ist nicht neu. Schon seit Ende 2010 kostet Brentöl mehr als WTI. Bis dahin war die US-Richtmarke meist knapp drei Dollar teurer. Als Erklärung dienten 2011 etwa die Sorgen um die politische Lage in Libyen. Doch inzwischen fördert das Land wieder mehr als eine Million Barrel am Tag. Fehlende Mengen wurden zudem schon zuvor von anderen Ölländern wie Saudi-Arabien ausgeglichen. Das Argument ist daher kaum überzeugend.

Schallenberger macht Spekulationen für das Auseinanderdriften der Preise verantwortlich. Nach seiner Einschätzung ist der Brentölpreis "fundamental nicht zu begründen". Angesichts der Wachstumsperspektiven sei Brentöl zu teuer. Bis Jahresende erwartet er einen Preisrückgang auf 90 Dollar.

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  • Der unregulierte und illiquide Brent-Future ist viel einfacher zu manipulieren durch "die Großen". Pflicht zum Handel über eine regulierte Clearingstelle und Positionslimits würden dieser Blase die Luft entweichen lassen. Macht aber keiner,denn nur die doofen Europäer müssen diesen Preis dann auch bezahlen bei physischer Lieferung.

  • Grund ist die schärfere Regulierung an den Rohstoffmärkten in den USA gegenüber der City in London. Die neuen Regeln des Herrn Gensler in Verbindung mit den Bestimmungen von Dodd-Franck haben die großen Banken (Deutsche Bank, Goldman Sachs ...) nach London getrieben. Dort erhöhen sie u.a. die Inflation auf fast 5 %. UK weiß das, handelt aber nicht, UK will diese Banken zu behalten.

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