Rohstoffe
Brasiliens Eisenerzbranche im Kaufrausch

Eisenerz hat seinen Wert seit 2003 fast verdreifacht - der rötliche Grundstoff zur Eisenherstellung ist fast so wichtig wie Erdöl. In Brasilien tobt eine Bieterschlacht um neue Eisenerz-Minen.

SÃO PAULO. Im Städtchen Itaúna im bergigen Landesinneren Brasiliens geht es trotz seiner 80 000 Einwohner beschaulich zu. Am Sonntag sind die Kirchen voll. Auf dem Markt begrüßen sich die meisten Besucher mit Vornamen. Bis vor Kurzem verirrten sich kaum Fremde in die „Serra Azul“, die „Blauen Berge“. Doch das hat sich geändert. In dem ruhigen Bergstädtchen, 80 Kilometer von der Metropole Belo Horizonte entfernt, findet derzeit eine gewaltige Bieterschlacht statt. Stahlkonzerne wie Arcelor Mittal und Tata Steel, Erzgiganten wie BHP Billiton, Rio Tinto oder Anglo American kaufen alle Eisenerzminen der Region auf, derer sie habhaft werden können – lokale Erzgruben in Familienbesitz, die bisher lokale Gießereien belieferten und eigentlich niemanden interessierten.

Doch das hat sich geändert: Eisenerz hat seinen Wert seit 2003 fast verdreifacht. Der rötliche Grundstoff zur Eisenherstellung ist zu einem der strategischen Rohstoffe der Welt geworden – fast so wichtig wie Öl. Konzerne, aber auch Staaten, streiten sich um Minen, Konzessionen und Unternehmen. Denn vor allem aufstrebende Volkswirtschaften wie China und Indien brauchen immer mehr Erz: zum Bau von Brücken, Flughäfen und Hochhäusern, für Elektrogeräte, Autos und Maschinen. Es ist der Grundstoff des Wachstums in Staaten, die erst beginnen, sich zu entwickeln. So verhüttete China 2006 noch 150 Mill. Tonnen. In zwölf Jahren sollen es bereits 700 Mill. sein. Die Versorgung mit Eisenerz hat für diese Länder oberste Priorität, damit das Wachstum sich fortsetzen kann. „Im 19. Jahrhundert schickten Staaten ihre Flotten zur Sicherung ihrer Rohstoffquellen", schreibt das Wallstreet Journal, „heute kommen Investmentbanker.“

Die Investmentbank JP Morgan rechnet damit, dass in diesem Jahr 33 Mill. Tonnen Eisenerz auf dem Weltmarkt fehlen werden. Die Folge: Die Preise werden weiter steigen. Bei der diesjährigen Verhandlungsrunde für den Abschluss, die traditionell immer nach dem chinesischen Neujahrstag beginnt, konnten Erzproduzenten wie die brasilianische Vale und die Rio Tinto und BHP Billiton aus Australien 71 Prozent mehr für ihr Erz aushandeln – wie zuletzt 2005, als die Stahlkonzerne noch geschockt waren von den Preiserhöhungen für ihren wichtigsten Rohstoff. Doch die Stahlkonzerne in Europa, den USA sowie China und Japan können auf der Abnehmerseite wenig tun, um den Preis zu drücken. Denn Vale, Rio Tinto und BHP Billiton teilen bei Eisenerz rund 70 Prozent des Weltmarktes unter sich auf. Selbst ein Gigant unter den Kunden wie der Stahlriese Arcelor-Mittal ist angesichts des Erztrios ein Zwerg. Auch Stahlbaron Mittal muss sich den Gesetzen dieses Oligopols fügen. Zum Vergleich: Die Opec als mächtiges Produzentenkartell kontrolliert nur 40 Prozent des weltweiten Ölangebots.

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