Rohstoffe
Die geplatzte Blase

Die Amerikaner führen Krieg im Nahen Osten. Eigentlich müsste jetzt der Ölpreis steigen. Das Gegenteil ist der Fall. Auch die Preise für Industriemetalle geben größtenteils nach. Ist der Rohstoffboom endgültig vorbei?
  • 96

DüsseldorfKein Blut für Öl – so lauteten Anfang der 1990er-Jahre die Rufe der Demonstranten, die gegen einen Krieg der USA im Irak protestierten. Sie erinnerten daran, dass es bei den militärischen Interventionen immer auch um den Zugriff auf das Erdöl des Nahen Ostens ging. Es war die Zeit des Zweiten Golfkriegs. Jetzt scheint alles anders zu sein. Die Amerikaner fliegen wieder Einsätze im Irak und seit einigen Tagen auch in Syrien. Aber über Öl spricht keiner mehr. Warum eigentlich?

Darauf gibt es eine politische und eine ökonomische Antwort: Angesichts der monströsen Taten der Terrormiliz, die sich „Islamischer Staat“ nennt, werden die Einsätze der Amerikaner in weiten Teilen der Welt als gerecht angesehen, auch wenn sie völkerrechtlich betrachtet nicht unbedingt rechtens sind. Gleichzeitig hat sich aber auch die Lage an den Rohstoffmärkten grundlegend verändert.

Eigentlich treiben Krisen und Krieg die Preise für Rohstoffe in die Höhe. Diesmal ist das Gegenteil der Fall. Der Ölpreis fällt seit Monaten. Anfang September rutschte der Preis für ein Barrel der Sorte Brent unter 100 Dollar, inzwischen sind es nur noch 95 Dollar. Öl ist heute fast 13 Prozent billiger als noch vor einem Jahr.

Dass die Rohstoffmärkte ganz anders reagieren als gewohnt, erscheint zunächst paradox. Aber es gibt Erklärungen: In den vergangenen Jahren haben die USA ihre Ölförderung massiv ausgeweitet, auf den höchsten Stand seit drei Jahrzehnten. Die Lagerstätten in Nordamerika sind randvoll. Etwa 80 Prozent ihres Bedarfs decken die Vereinigten Staaten aus eigenen Quellen, was die Abhängigkeit vom Öl aus Nahost zumindest verringert.

Kommentare zu " Rohstoffe: Die geplatzte Blase"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • So sieht also die westliche "Wertegemeinschaft" das Völkerrecht?: Zuerst verletzt man die Souveränität eines Landes mit militärischen Angriffen und wenn dieses Land sich nicht dagegen wehrt, dann soll es völkerrechtlich in Ordnung sein.
    Natürlich akzeptiert das Assad-Regime die Bombardierung, wird doch damit auch ein Gegner geschwächt und es kann sich wieder als handlungsfähige Regierung darstellen. Was würde wohl passieren, wenn Russland das so machen würde?

  • Nein natürlich tut man das nicht. Es gibt nur
    jede Menge Edelmetall Papiere hinter denen kein
    physischer Besitz steht. Gleiches gilt für Öl.

  • "Nichts desto trotz sind das kläglich 2 Seiten mit Annahem die teilweise unrealistisch sind. Die unternehmen die Er betrachtet in 2012 sind huer immernoch aktiv. Was sagt uns das?"

    Die Hauptarbeit liegt doch in der Datenauswertung, nicht? Es muss jemand hingegangen sein und die Daten ausgewertet haben. Und diese Auswertung und die Schlussfolgerungen aus der Studie haben mehrere Gutachter geprüft.

    Und diese Daten sind eben in der getätigten Form - nach unabhängiger Expertenmeinung - valide interpretierbar. Wenn man die Studie anzweifeln will, dann reicht es nicht aus, pauschal unrealistischen zu unterstellen, sondern man muss explizit im Detail zeigen, wo Hughes Fehler gemacht hat.

    Es kann *immer* sein, dass sich Hughes irrt, aber als Kritik an einem Nature-Artikel reichen pauschale Vorwürfe nicht sondern müssen mindestens in gleicher Qualität wie die Behauptung erfolgen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%