Rohstoffe
Gold glänzt in Krisenzeiten

Die drohende Rating-Herabstufung der USA treibt Anleger zum Kauf von Gold. Auch mögliche Umschuldung Griechenlands lastet auf Stimmung. Die Ölpreise geben weiter nach.
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SingapurDer Warnung der Ratingagentur S&P an die Adresse der USA hat auch am Dienstag die Anleger an den Rohstoffmärkten vorsichtig agieren lassen. Einmal mehr griffen die Investoren in unsicheren Zeiten zu Gold, das mit 1493 Dollar je Feinunze nur vier Dollar unter seinem am Montag erreichten Rekordhoch notierte und die psychologisch wichtige Marke von 1500 Dollar im Blick behielt. „Gold ist noch immer die erste Wahl als sicherer Anlagehafen“, sagte ein Händler in Singapur.

Derzeit gebe es viele schlechte Nachrichten, die das gelbe Edelmetall beliebt machten. Gold hat sich in den vergangenen sieben Tagen um rund 40 Dollar je Feinunze verteuert. Neben der Drohung von S&P, den USA die Rating-Bestnote „AAA“ zu entziehen, bremste auch die Diskussion um eine Umschuldung Griechenlands die Risikofreude der Anleger.  

Das bekam vor allem der Ölpreis zu spüren: Die US-Sorte WTI verbilligte sich um mehr als einen Dollar auf 105,88 Dollar je Barrel. Brent verbilligte sich um 1,4 Prozent auf 119,84 Dollar pro Fass. Am Ölmarkt fielen die Preise auch deshalb, weil Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) in den vergangenen beiden Tagen vor einer nachlassenden Nachfrage und einer zu starken Belastung für die Weltkonjunktur infolge der hohen Ölpreise gewarnt hatten. Der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Arabien hatte am Sonntag erklärt, wegen der geringeren Nachfrage seine Produktion gedrosselt zu haben.

Der fallende Ölpreis sei zudem dadurch begründet, dass China versuche, sein Wirtschaftswachstum im Zaum zu halten - und in den USA die Öl-Lagerbestände sehr hoch seien, sagte Jonathan Barratt, Manager bei Commodity Broking Services in Melbourne: „S&P ist deshalb nur ein Faktor.“ Aus all diesen Gründen müsse man mit einer Neubewertung des Ölpreises beginnen. Die Faktoren, die den Ölpreis zuvor hätten steigen lassen, seien nun nicht mehr da. Den Analysten der Commerzbank zufolge dürften die Kämpfe in Libyen und die anhaltenden Unruhen in den arabischen Ländern zwar einem deutlichen Rückgang der Preise entgegenstehen. „Für einen neuerlichen Preisanstieg bedarf es dagegen neuer preistreibender Nachrichten“, erklärten die Analysten in einem Marktkommentar.

Der Kupferpreis erholte sich dagegen von seinen Vortagesverlusten, als er infolge des S&P-Kommentars um fast zwei Prozent nachgegeben hatte. Am Dienstag notierte das Industriemetall 1,1 Prozent fester bei 9325 Dollar je Tonne. Händler machten für den Anstieg vor allem charttechnische Faktoren verantwortlich, nachdem der Kupferpreis sechs Tage lang unter Druck gestanden hatte. Die Gesamtstimmung bleibe aber weiter angespannt, sagte Analystin Natalie Robertson von ANZ: „Der Markt hat den Risiko-Modus ausgeschaltet.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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